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von Rainer Urban

Glaube

Ein Weckruf in unsere Zeit

Eine historisch bedeutsame Tagung auf dem Ölberg, vor fünfzig Jahren: Die prophetischen Worte von Jesus und mahnende Worte des jüdischen Neutestamentlers David Flusser.

Vor fast einem halben Jahrhundert fand in Jerusalem eine Tagung statt, die auch im Rückblick aus christlicher Sicht noch bedeutsam erscheint – und die auch für unsere Zeit eine Botschaft bereithält. Ein Vertreter des israelischen Religionsministeriums hatte sie damals als «historisch» bezeichnet. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Gelehrte Prof. Dr. David Flusser (1917–2000). Aus aller Welt sind schon Theologen nach Israel gekommen, um den Mann zu hören, der gerne als der jüdische Neutestamentler bezeichnet wird.

David Flusser ist Verfasser des wohl am weitesten verbreiteten Jesus-Buches eines jüdischen Autors, der im Rowohlt Verlag erschienenen Monographie «Jesus».1 Prof. David Flusser gilt als Pionier der wissenschaftlichen Erforschung des Christentums in Israel. Ihm zu Ehren fand an seinem 100. Geburtstag (2017) in Stuttgart ein internationales Symposium statt: «David Flusser und der jüdische Jesus».

Neben David Flusser sprach auf der Tagung im August 1975 auf dem Ölberg auch der jüdische Religionswissenschaftler Schalom Ben-Chorin. Das Zustandekommen und auch den Verlauf dieses Treffens, bei dem es um Jesus und die biblischen Prophetien ging, empfanden viele Teilnehmer als ein kleines Wunder. Nicht nur Juden aus verschiedenen Glaubensrichtungen waren vertreten, sondern ebenso Christen aus unterschiedlichen Ländern und Denominationen. Aber nicht nur das, sondern auch 50 arabische Gläubige waren mit zugegen. Der Schwerpunkt für sie alle war die Frage: Welche Bedeutung haben die prophetischen Aussagen des Alten und Neuen Testaments für die Zeit vor der Wiederkunft Jesu, des Messias und seines Kommens?

Die Aussagen von David Flussers beachtenswertem Referat haben auch nach fast 50 Jahren noch Relevanz. Zu Beginn seines Vortrags – Flusser sprach über Gottes unauflöslichen Bund mit Israel und dessen Bestätigung durch das Neue Testament – brachte er seine Freude zum Ausdruck, dass so viele «aus den Völkern» gekommen waren. Flusser betonte in seinem Referat, dass «Jesus nach dem jüdischen Gesetz gelebt und es vollkommen erfüllt hat». Weiter führte er aus: «Wir können Jesu Beziehung zu seinem Volk und Land verstehen lernen, wenn wir seine Prophezeiungen über die Juden, über Jerusalem und die Zerstörung des Tempels lesen. Hierzu gibt das Evangelium nach Lukas die meisten prophetischen Aussagen über die Zukunft des jüdischen Volkes.»

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 01/2022

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