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von Ron Kubsch
Dieser Jesus – und nur dieser Jesus
«Ich kann das nicht hören; Bowie hat eine düstere Ausstrahlung.» Das Urteil meiner Frau über den kürzlich verstorbenen Musiker David Bowie ist eindeutig. Auch mein Verhältnis zu Bowie ist distanziert. Vielleicht, weil einige Freunde, die ich an die Drogen verloren habe, seine Lieder auswendig sangen. Dennoch überfiel mich Traurigkeit, als ich von seinem Tod mit nur 69 Jahren erfuhr.
Bowie ist nicht nur eine Ikone postmoderner Kultur. Er gehört zu denjenigen, die diese Kultur durchdrungen und initiiert haben. Androgynes Auftreten, Bisexualität, Verschmelzung von Kunst und Kitsch, Hybridität von Musik und Theater, Stilpluralismus, all das ist bei ihm präsent. Bowie liebte zum Beginn seiner Karriere besonders das Spiel mit disparaten Identitäten. Das «Ich» schien verflüchtigt. Über seine Pläne befragt, sagte er einem TV-Journalisten: «Ich lege mir vielleicht das Image eines Ichs zu. Ich erfinde gerade eine Art Ich.» Besser ist die brüchige Identität vieler Menschen heute kaum zu beschreiben: Image-Design. Wer die Popkultur verstehen will, ist gut beraten, sich mit ihm auseinanderzusetzen. David Bowie hat Leuten wie Madonna, Marilyn Manson oder Lady Gaga den Weg bereitet.
Doch da ist noch eine andere, eine traurige, ja erschreckend abgründig-doppeldeutige Seite. Bowie war zeitlebens auf der Suche nach dem Unbedingten. Nach ersten kleineren Erfolgen, in einer Phase, in der ihn – gezeichnet vom Drogenkonsum – die innere Leere schmerzhaft quälte, baute ihm jemand eine verhängnisvolle Brücke zur übernatürlichen Welt. Dass er sich für das Transzendente interessierte, zeigt schon seine Begeisterung für Ufos und Ausserirdische an. Als ihn aber Jimmy Page, Gitarrist der englischen Rockband Led Zeppelin, mit Aleister Crowley vertraut machte, wurde die Sehnsucht nach dem Übernatürlichen für Jahre ein bestimmendes Motiv seiner Arbeit.
(Artikelauszug aus factum 02/2016)
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