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von Stefan Frank
Die öffentliche Unsicherheit
Auf der Suche nach Schutz vor den sexuellen Übergriffen der Silvesternacht wandten sich Frauen in Köln, Hamburg und weiteren Städten in etlichen Fällen an Türsteher von Hotels und Nachtclubs – also privater Einrichtungen. Sie versuchten dem zu entkommen, was man im Arabischen Taharrush nennt: Gruppen von Männern kreisen Frauen ein, um sie anzugreifen, sexuell zu belästigen, zu vergewaltigen. Instinktiv wussten die Frauen: «Öffentlicher» Raum ist grundsätzlich unsicher, heute mehr denn je. «Das ist Silvester besonders gewesen, dass Frauen ängstlich zu uns gekommen sind und die direkte Fragestellung gebracht haben, ob unser Laden denn sicher ist», sagte der Hamburger Türsteher Hauke Will der Tageszeitung «Die Welt».
Ebenso erlebte es Ivan Jurcevic, der an Silvester in Köln ein Hotel bewachte: «Im Laufe des Abends kamen immer wieder Frauen zu mir, die gefragt haben, ob sie bei mir stehen bleiben können. Damit ich auf sie aufpasse. Ich wusste gar nicht, um was es geht. Ja, die wurden verfolgt, von den und den Personen. Die wollten dann auf mich los, da habe ich sie weggeklatscht.»
Auch das Offensichtliche muss man manchmal aussprechen, damit es nicht vergessen wird: Angriffe auf Leib, Leben und Eigentum der Bürger finden in den allermeisten Fällen nicht auf privatem Gelände statt; nicht in Supermärkten, Bars, Hotels, Restaurants, Spielhallen, Kinos oder in Vergnügungsparks, nicht einmal in Tiefgaragen – sondern auf der Strasse, in U-Bahnen, an Bahnhöfen, kurz: im sogenannten «öffentlichen» Raum, dort, wo der Staat die Verantwortung trägt, also niemand.
(Artikelauszug aus factum 02/2016)
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