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von factum-Redaktion

Natur

Die Bonsai des Herodes

König Herodes war für seine Prunksucht, seine Paläste und für seine Grausamkeit bekannt. Die Brutalität bezeugen Geschichtsschreiber und die Bibel; Relikte seiner Bauten geben noch heute eine Ahnung von deren einstiger Wirkung. Dass Herodes auch ein Faible für Kleines hatte, entdeckten Archäologen jetzt bei Ausgrabungen.

In Jericho fanden Archäologen in Bodenproben aus dem Garten des Winterpalastes von Herodes versteinerte Pollen von Bonsai-Bäumen.

Pollen sind das haltbarste organische Material, erläutert Dafna Langgut, die Leiterin des archäologischen Labors der Universität Tel Aviv. Die Pollen verschiedener Pflanzenarten sind unter dem Mikroskop gut zu unterscheiden und zu bestimmen. Im Garten des Herodes wurden Zypressen, Zedern, Kiefern und Olivenbäume als Bonsaiformen kultiviert. Sie wurden in kleinen Töpfen gehalten und durch regelmässiges gekonntes Beschneiden in kleiner Form gehalten.

Im Schatten der grossen Dattelpalmen des Gartens entfalteten die Bonsai-Kulturen ihre gestalterische Wirkung. Die Wissenschaftlerin glaubt, dass es Herodes darum ging, seine Gäste zu beeindrucken und nimmt an, dass ihm der Gedanken gefallen habe, «die Natur beherrschen zu können». Im 1. Jahrhundert vor Christus waren Bonsais im ganzen  Römischen Reich populär, berichtet die Wissenschaftlerin. Die Forschungsergebnisse wurden im archäologischen Wissenschaftsmagazin «Strata» veröffentlicht.

Meldung aus factum 02/2021.

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