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von Monika Hausammann

Mensch

Alles und auch Nichts von all dem

Am Bitcoin scheiden sich die Geister. Für die einen ist er ein Freiheitsspeicher, andere sehen in ihm ein Goldenes Kalb. Wo liegt die Wahrheit? Monika Hausammann mit einer Spurensuche.

Während ich diese Zeilen schreibe, handelt der Bitcoin nach einem Sturz von rund 10 Prozent und vor dem Mai-Meeting der US-Zentralbank bei rund 57 000 US-Dollar. Ist das viel? Zu viel? Ist Bitcoin ein Hype? Eine Art gier-getriebene Begeisterungs-Psychose? Oder die Euphorie einer weiteren, diesseitigen Erlösungs-Erzählung?

Um etwas Klarheit in diese Fragen zu bringen, lassen Sie uns erst einmal über jenen Vermögenswert sprechen, dem der Bitcoin von seinen Befürwortern als dessen nachhaltigere und den Menschen besser dienende Version am öftesten gegenübergestellt wird: Geld.

Geronnene Lebenszeit

Was ist Geld? Geld ist, wie gesagt, ein Vermögenswert. Ein Guthaben. In einer «normalen» Welt entsteht Guthaben nicht aus dem Nichts – es muss erarbeitet und verdient werden. Dies geschieht durch Investition. Wenn einer als Arbeitnehmer oder Unternehmer 40 oder 80 Stunden seiner Zeit, seines Wissens, seiner Erfahrung, seiner Kraft und seines Talents pro Woche in ein Unternehmen investiert, erhält er als Gegenleistung dafür einen Lohn (Gewinn) in Form von Geld. Wenn er dieses Geld wiederum in ein Unternehmen investiert (Kauf von Unternehmensanteilen), erhält er dafür ebenso einen Lohn in Form von Geld (Zinsen/Dividenden). Geld ist also im Grunde das Resultat der Investition von Lebenszeit – es ist «geronnene Lebenszeit». Geld, das einer erbt, ist nichts anderes als die «geronnene Lebenszeit» seiner Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern. Gutes Geld speichert die Leistung von Generationen und erhält sie für künftige Generationen.

Damit liegt die nächste Frage auf der Hand: Was ist gutes Geld? Gutes Geld ist von jedem politischen Einfluss unabhängig. Es ist knapp und kann nicht beliebig vermehrt werden. Es ist haltbar, leicht transportierbar, teilbar und seine Einheiten sind alle von gleicher Art und Güte. Dies sind die Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit ein Geld als Recheneinheit, als Tauschmittel und vor allem als verlässlicher «Speicher» von Wert (Arbeits- bzw. Lebenszeit) von einer Mehrheit der Menschen freiwillig akzeptiert wird.

Es ist einer der grössten PR-Coups der Geschichte der Menschheit, dass diesen klaren und einfach verständlichen Kriterien ein weiteres Kriterium hinzugefügt wurde. Und zwar nicht irgendeines, sondern DAS Kriterium schlechthin, das ab da als Hauptbedingung für «gutes Geld» in die Köpfe der Menschen hineinpraktiziert wurde: Dass nämlich, damit man einem Geld wirklich vertrauen könne, es «der Staat» sein müsse, der die Einhaltung aller anderen Kriterien dadurch sicherzustellen habe, dass er als einziger Geld herstellen und in Umlauf bringen dürfe. So entstanden Währungen und die Währungsmonopole der Staaten. Und mit ihnen nahm die stille «Enteignung von Lebenszeit» ihren Lauf durch die Entwertung der Währungen durch ihre beliebige Vermehrung im Dienst der Politik. Kein Krieg der letzten Jahrhunderte hätte geführt werden können ohne die Möglichkeit, Geld nach Belieben zu vermehren. Während frühere Herrscher das staatliche Gold- und Silbergeld durch die Herausgabe kleinerer Einheiten und durch die Beimischung minderer Metalle verwässerten, geschieht es heute auf Knopfdruck. Auf die Frage, ob die Zentralbank den Markt mit «Geld flute» und «Geld drucke», antwortete der Chef der privaten US-Notenbank, Jerome Powell: «... ja, das tun wir. Wir drucken es digital. Als Zentralbank haben wir die Fähigkeit, Geld digital zu erschaffen.»

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 04/2024

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