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von Carola Eissler
Yad Vashem: Bildungszentrum in München
Die Nachricht: Die internationale Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem eröffnet mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung ein Bildungszentrum in München. Es wird das erste ausserhalb Israels sein. In einer Zeit, in der sich der Antisemitismus immer weiter ausbreitet, soll das zukünftige Zentrum wertvolle Bildungs- und Aufklärungsarbeit zum Holocaust und zum Antisemitismus leisten und die Erinnerung an den Massenmord an Juden im 20. Jahrhundert wachhalten.
Der Kommentar: Erinnern ist wichtig, Bildung allemal, Aufklärung über das, was war, und wie es überhaupt so weit kommen konnte. Seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland vor 77 Jahren ist die Erinnerungskultur an den Mord an sechs Millionen Juden Teil der demokratischen Gesellschaft und fester Bestandteil der Bildung für die nachfolgenden Generationen. Das «Nie wieder» wurde zum Bekenntnis, dass Deutschland sich verändert hat, dass die demokratische Gesellschaft wachsam und standhaft geworden ist gegenüber jeder Art von Judenhass. Wirklich?
Spätestens seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 an jüdischen Menschen in Israel und den nachfolgenden Entwicklungen werden wir eines Besseren belehrt. Hass auf Juden, Antisemitismus, Hetze gegen den jüdischen Staat, antisemitische Stereotype und der gebetsmühlenartig vorgetragene Vorwurf des Genozids Israels gegenüber den Palästinensern sind wieder gesellschaftsfähig geworden. Es sind nicht allein die Linken, Rechten und Islamisten, die alten und neuen Judenhasser, die sich unterhaken, wenn es um die Delegitimierung des jüdischen Staates und die Diffamierung der Juden geht. Es ist das antisemitische Gift, das in die Mitte der Gesellschaft vordringt und dort fruchtbaren Boden findet.
Juden in Berlin fühlen sich in Deutschlands Hauptstadt inzwischen nicht mehr sicher. Israelis, die hier wohnen und arbeiten, reden in der Öffentlichkeit kein Hebräisch mehr. Israelische Künstler werden von Kulturveranstaltungen ausgeladen, jüdische Geschäfte werden überfallen und zerstört. Und jeden Tag erhebt sich die hässliche Fratze des Antisemitismus in unseren Strassen, auf Demonstrationen, auf sozialen Plattformen. Noch nie nach 1945 wurden Juden mit derart viel Hass verfolgt wie derzeit in unserem Land.
Die Politik schreitet nicht ein und findet offensichtlich kein Mittel, um die Gewaltaufrufe gegen Juden zu unterbinden. Oder sie will sie nicht finden. Ungehindert können Hass-Parolen auf Deutschlands Strassen geschrien werden und der vor einigen Tagen stattgefundene Parteitag der «Linken» hat offenbart, wie tief in dieser Partei der Hass gegen Juden und auf den jüdischen Staat sitzt. Eine Partei, mit der die CDU allen Ernstes liebäugelt und sie als Mehrheitsbeschafferin zum Beispiel nach der Wahl im Herbst in Sachsen-Anhalt ins Spiel bringt. Bildungsstätten, wie jetzt von der Bundesregierung unterstützt und vorangetrieben, sind richtig und wichtig. Allein, es genügt nicht. Der Staat muss vielmehr konsequent und mit allen Mitteln des Rechtsstaats gegen jede Form von Antisemitismus vorgehen. Alles andere ist pure Heuchelei.
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