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von Holger Clas
Wir verlieren dieses Land
Die Polizei ist ein empfindlicher Seismograph, ein Frühwarnsystem. Sie nimmt gesellschaftliche Veränderungen früher wahr als Politik und Öffentlichkeit – oft lange bevor diese überhaupt diskutiert werden. Genau diese Perspektive ist eine der grossen Stärken des Buches «Wir verlieren dieses Land» von Liv von Boetticher, insbesondere für Leser ohne direkten Einblick in den Polizeialltag. Liv von Boetticher lässt sich keinem starren politischen Spektrum zuordnen. Als Investigativjournalistin (RTL) steht sie für klassische, gründliche Recherchearbeit. Für ihr Buch hat sie intensiv recherchiert – und vor allem zugehört. Sie sprach mit Dutzenden Polizeibeamten: von der Bundespolizei an den Grenzen bis hin zu Streifenbeamten in Hamburg, Berlin, Köln und Schleswig-Holstein.
Was von Boetticher zusammengetragen hat, ist kein offizielles Lagebild. Es sind Stimmen aus dem Alltag derer, die Sicherheit gewährleisten sollen. Darin liegt die besondere Brisanz: Das Buch eröffnet Einblicke in eine Erfahrungswelt, die selten so offen beschrieben wird. Die Kernaussage zieht sich konsequent durch alle Kapitel: Deutschland erlebt einen Verlust von Ordnung, Sicherheit und staatlicher Durchsetzungsfähigkeit. Dieser Prozess wird als strukturell, langfristig, existenziell – und teilweise irreparabel beschrieben. Zugleich, so die Autorin, werde diese Entwicklung häufig verharmlost oder verdrängt. Das Buch ist klar gegliedert und greift zentrale Problemfelder auf, die ineinandergreifen.
Eine Schonungslose Analyse
Bereits zu Beginn wird zwischen objektiver Sicherheitslage (Zahlen, Daten, Fakten) und subjektiver Wahrnehmung unterschieden – und zugleich deren enge Verbindung aufgezeigt. So wird auf über 217 000 registrierte Gewaltdelikte im Jahr 2024 verwiesen, ein Höchststand der letzten Jahre. Diese Zahlen bilden jedoch nur das Hellfeld ab; das Dunkelfeld dürfte deutlich grösser sein. Prägnante Zitate bringen die Veränderung auf den Punkt: «Vor 20 Jahren kannte ich solche Szenarien nur aus Israel. Heute musst du in Deutschland jederzeit damit rechnen, dass jemand plötzlich ein Messer zieht»; «Die Probleme sind grösstenteils eingewandert».
Neugierig? Lesen Sie den gesamten Artikel im factum 05/2026
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