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von Isabelle Kobe
Waldbrände: Nicht jedes Feuer ist schädlich
«Waldbrände gehören in Südeuropa seit jeher zur Realität», äussert sich die ETH-Forscherin Christine Eriksen in einem Interview zum Thema. Verändert hätten sich jedoch die Häufigkeit, Intensität und das Ausmass solcher Waldbrände. Immer häufiger komme es zu Bränden, die von der Feuerwehr nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden könnten. Auch in Ländern wie der Schweiz oder Österreich dürfte sich das Waldbrandrisiko verschärfen, meint Eriksen.
Viele Faktoren spielen mit
Der Klimawandel erkläre jedoch die Entwicklung nicht vollständig. Eriksen nennt Faktoren wie eine jahrzehntelang konsequente Brandbekämpfungspolitik oder veränderte Landnutzungsformen. «In vielen Ländern dürfen Landwirte und Förster schon seit einiger Zeit keine kontrollierten Brände zur Pflege widerstandsfähiger Landschaften einsetzen.» So hätten sich im Unterholz grosse Mengen trockenen Materials angesammelt, was zusammen mit hohen Temperaturen und starken Winden zu äusserst gefährlichen Bedingungen führte. Zudem lebten immer mehr Menschen am Rand von Wäldern, dadurch werden ihre Häuser selbst zum Brennstoff.
Die Landflucht sei ein weiterer Faktor. «Traditionelles Wissen über die Umwelt geht verloren und immer weniger Menschen bewirtschaften kleine Wälder und landwirtschaftliche Betriebe aktiv.» Die Folge: Die Vegetation kann sich ungehindert ausbreiten, weil es weniger natürliche Brandschneisen gibt.
Feuer für gesunde Ökosysteme
Wie bereitet man sich auf eine Zukunft vor, in der Waldbrände womöglich häufiger auftreten? Christine Eriksen ist überzeugt: «Wir müssen Landschaften schaffen, die widerstandsfähiger gegenüber Feuer sind und uns von der Vorstellung verabschieden, dass jedes Feuer schädlich ist.» Feuer könne dazu beitragen, gesunde Ökosysteme zu erhalten. Früher hätten kontrollierte Brände und andere Formen der Landbewirtschaftung die Menge an brennbarem Material reduziert. Und: «Wir brauchen gesündere und artenreichere Wälder, Monokulturen sind besonders anfällig.»
Ausserdem seien feuerresistente Bauweisen, eine bessere Raumplanung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, lokalen Gemeinden und Fachleuten nötig. Behörden und Bevölkerung müssten gemeinsam Verantwortung übernehmen. Praktisch hiesse das: sich für die Risiken vor Ort bewusst sein, mit den Nachbarn sprechen, Evakuierungswege kennen und Brandgefahren rund um das eigene Zuhause reduzieren.
Eriksen attestiert der Schweiz, gut auf künftige Ereignisse vorbereitet zu sein. Sie profitiere von einer funktionierenden Waldbewirtschaftung und sorgfältig gepflegten Schutzwäldern. Ausserdem könne sie auf eine starke Tradition der Solidarität und des freiwilligen Engagements bauen. Diese Stärken sollten jedoch künftig noch gezielter genutzt werden – bevor Katastrophen eintreten.
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