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von Stefan Frank

Mensch

Und dann kam die Befreiung

Im Juni 1976 entführten linksextreme Terroristen ein Flugzeug mit jüdischen Passagieren nach Entebbe in Uganda. Was folgte, war eine der spektakulärsten Rettungsaktionen der Geschichte.

Das Knacken der Lautsprecher unterbricht die Stille im Airbus A-300, der mit 248 Passagieren von Tel Aviv nach Paris unterwegs ist. «Dieses Flugzeug wurde entführt», sagt eine männliche Stimme mit deutschem Akzent. «Solange Sie den Befehlen gehorchen und genau das tun, was wir Ihnen sagen, wird Ihnen nichts passieren.» Das war keine Beruhigung, sondern eine Drohung.
Die meisten Passagiere sind Juden. Als sie hören, dass sie in den Händen einer gefürchteten Terrorgruppe sind, werfen viele ihre Davidsterne unauffällig zu Boden. Die Durchsage kommt vom Deutschen Wilfried Böse von der westdeutschen linksextremistischen Terrororganisation «Revolutionäre Zellen». Er und seine Komplizin Brigitte Kuhlmann unterstützen die Palästinenser und fordern die Freilassung der von Israel festgehaltenen palästinensischen Gefangenen und der in Europa inhaftierten Terroristen. Nach Zwischenstopps in Athen und Bengasi (Libyen) landet das Flugzeug schliesslich in Entebbe, wo der ugandische Diktator Idi Amin die Entführer herzlich willkommen heisst.
Am Nachmittag des 29. Juni beginnen die Terroristen, die Geiseln aufzuteilen. Per Megafon verliest Böse die Namen derer, die sich in einen anderen Raum des Flughafengebäudes begeben müssen. Schnell wird anhand der Namen klar, dass es darum geht, Israelis und Juden von den übrigen Passagieren zu trennen. Es erinnert an die Selektion in den deutschen Vernichtungslagern.
Ugandische Soldaten hatten eine Öffnung zwischen zwei Räumen des alten Terminals geschaffen und dabei Bretter in Form eines «T» über die Öffnung genagelt. Die israelischen und jüdischen Geiseln mussten dort hindurchkriechen. Sie berichten später, die Aufteilung der Gruppe habe sich angefühlt «wie eine Hinrichtung». Die Scham beim Durchkriechen unter dem «T» sei das «schlimmste Gefühl ihres Lebens» gewesen. Zum ersten Mal hätten sie verstanden, «was es bedeutet, eine Geisel zu sein».

Seltene Solidarität

Michel Bacos war Pilot und Kapitän der Air-France-Maschine. Er und seine Crew beschlossen, die jüdischen Passagiere nicht im Stich zu lassen, auch wenn sie selbst freikommen könnten.

 

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