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von Carola Eissler
Tourismusminister: Hagia Sophia ist Symbol der Eroberung
Sechs Jahre ist es her, dass die Hagia Sophia als Moschee wiedereröffnet wurde. Nun hat der türkische Kultur- und Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy in einem provokanten Post auf seinem Social-Media-Account «X» die Hagia Sophia, fast ein Jahrtausend lang das grösste Gotteshaus der Christenheit und Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, als «Symbol der Eroberung» und gleichzeitig als das «unschätzbare Vermächtnis» Sultan Mehmeds II., des Eroberers von Konstantinopel bezeichnet. Dies berichtet TRT Haber, das zweite Fernsehprogramm der türkischen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt TRT. Ersoy weiter: «Wir tragen dieses heilige Erbe, das einzigartige Vermächtnis Sultan Mehmeds des Eroberers, in die Zukunft und bewahren es in seiner ursprünglichen Form, indem wir die umfassendsten Restaurierungsarbeiten in der Geschichte der Republik an der Hagia Sophia mit grösster Sorgfalt fortsetzen.»
Die Hagia Sophia wurde 537 nach nur fünfjähriger Bauzeit unter Kaiser Justinian I. als Kathedrale des Oströmischen Reiches geweiht. 1453 wurde Konstantinopel (das heutige Istanbul) von den Osmanen erobert, die Hagia Sophia in eine Moschee umgewandelt, Glocken, Altar, Ikonen, christliche Insignien und Mosaike zerstört oder übermalt. 1934 schaffte der Republikgründer Atatürk den Status der Hagia Sophia als islamisches Gotteshaus ab und verwandelte sie in ein Museum, um der säkularen Türkei Nachdruck zu verleihen. Präsident Recep Tayyip Erdoğan liess im Sommer 2020 das einstige Gotteshaus wieder in eine Moschee umwandeln und zitierte beim ersten Freitagsgebet in der neu eröffneten Moschee selbst Koranverse, was einer Kampfansage an die laizistische Türkei gleichkam. Seit 1985 gehört die Hagia Sophia als Teil der Istanbuler Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie war fast tausend Jahre lang die bedeutendste Kirche der Christenheit des Byzantinischen Reiches.
Die Umwandlung von Kirchen in Moscheen scheint Teil einer grossangelegten Strategie Erdogans zu sein, der sich gerne in der Rolle als Anführer der islamischen Welt sieht. Die Sophienkirchen von Iznik südöstlich von Istanbul und Trabzon am Schwarzen Meer wurden schon 2011 beziehungsweise 2013 wieder zu Moscheen. Und auch die berühmte im 11. Jahrhundert erbaute Chora-Kirche, ebenfalls ein Museum am Goldenen Horn in Istanbul, wurde im Mai 2024 ein islamisches Gotteshaus.
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