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von factum-Redaktion
«Teil der Geschichte Gottes mit Menschen»
Michael Kotsch, Lehrer für Kirchengeschichte an der Bibelschule, ist überzeugt: «Als Christ kommt man an Geschichte gar nicht vorbei.» Sich zurück erinnern sei die Aufgabe jedes Christen. Und die Bibel? Sie ist «die Geschichte, die Gott mit den Menschen geschrieben hat». So schaffte und nutzte Gott historische Situationen, die notwendig waren, um dem Auftreten Jesu den historischen Rahmen zu geben. Martin Luther zitierend sagte Kotsch: «Gott sitzt im Regiment.» Er schreibe auch heute noch Geschichte. Nicht nur mit dem Bibel-Center, sondern mit jedem Einzelnen. «Auch wir sind Teil der Geschichte Gottes mit Menschen.»
Der Blick in die Bibel zeige, wie realistisch Gott Geschichte beschreibt. Das Kapitel elf des Hebräerbriefs sei zwar überschrieben mit «Helden des Glaubens», doch ein Blick in das Alte Testament mache klar: «Diese Personen werden nicht einfach verklärt.» David zum Beispiel beging mehrere Sünden, die im Alten Testament mit dem Tod hätten bestraft werden müssen. Die Bibel schweige nicht darüber. Doch Gott «setzt keinen Schlusspunkt, sondern einen Doppelpunkt bei Menschen, die umkehren und ihre Sünden bekennen».
Die Perle erhalten, nicht die Verpackung der Perle
Weiter zeigte Kotsch, dass die Zeit vor 70 Jahren, als das Bibel-Center 1956 von Friedrich und Christa Vogel gegründet wurde, eine andere gewesen ist als heute. Was sich jedoch nicht verändert habe, sei die Botschaft Christi. Deshalb ist die Frage: «Wie können wir heute dieselbe Botschaft mit anderen Worten und auf andere Art und Weise den Menschen nahebringen?» Kotsch forderte vor allem von den Älteren die «Flexibilität, offen zu sein». Es gelte, die Perle zu erhalten, aber nicht die Verpackung der Perle. Er warnte zudem vor der Gefahr, Tradition mit der Geschichte Gottes mit Menschen zu verwechseln. «Halte an Jesus fest, halte am Evangelium fest, halte an der Bibel fest», sagte Kotsch. Das könne Generationenkonflikte in Gemeinden entschärfen.
Eine Filiale in Jerusalem?
«Wie wird es in 70 Jahren sein?», fragte er zum Abschluss. Er hoffe, dass es keine weiteren 70 Jahre mehr gebe, weil Jesus vorher komme. Dann brauche es das Bibel-Center nicht mehr. An Johannes Vogel, den heutigen Leiter des Bibel-Centers gerichtet, fragte er trotzdem mit einem Schmunzeln: «Oder wird es eine Filiale in Jerusalem eröffnen?»
Darüber kann man spekulieren. Keine Spekulation, sondern ein Fakt aber ist, dass die sechs Bibelschülerinnen und Bibelschüler, die am Sonntag ihr Zeugnis erhielten und für ihren weiteren Weg und Dienst eingesegnet wurden, den besten Jahrgang darstellten, der je am Bibel-Center studiert hat. Die kommenden Jahrgänge sind also im positiven Sinn herausgefordert.
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