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von Monika Hausammann
So oder so schuldig
Die Nachricht: Vor wenigen Tagen berichteten die Medien über ein Urteil des Bundesgerichts. Ein 22-jähriger Mann, der sich als Frau fühlt, liess vor Beginn einer Hormontherapie Spermien einfrieren und forderte die Übernahme der Kosten für diese Massnahmen von der Krankenkasse Sympany. Diese weigerte sich und der Kläger zog vor Gericht. Bereits das Genfer Kantonsgericht gab ihm recht. Jetzt lehnte auch das Bundesgericht die Beschwerde der Krankenkasse ab. Die Begründung: Die Liste der Pflichtleistungen in der Krankenpflegeverordnung sei nicht abschliessend, die Massnahme aber zweckmässig, wirksam und wirtschaftlich.
Der Kommentar: Das Beispiel macht, wie schon der Entscheid des Parlaments vom Frühjahr 2025, dass die Krankenkassen ab Januar 2027 auch die Kosten «legaler Schwangerschaftsabbrüche» zu übernehmen haben, deutlich, wohin die Reise geht. Gewissensfreiheit – ein grundlegendes Prinzip unseres Rechtsstaats – kann weg, spielt keine Rolle. Über das Krankenkassenobligatorium werden wir gezwungen, Ideologien und Verkehrungen zu finanzieren, die wir aus tiefster Überzeugung ablehnen.
Und wir lernen, was es heisst, wenn jede unserer Abwehroptionen bedeutet, dass wir im Sinn von Gottes Wort schuldig werden. Wir sollen der Obrigkeit untertan sein und uns an die Gesetze halten. Gleichzeitig sollen wir das Leben, jedes Leben, als von Gott Geschaffenes und unendlich wertvolles behandeln und nicht jene Wahrheit pervertieren, die da sagt, Gott habe den Menschen als Mann und Frau erschaffen. Egal, wie wir uns entscheiden – ob für die Verweigerung der Bezahlung der Krankenkassenprämie oder für die Bezahlung und damit Mitfinanzierung der Perversion des göttlichen Gebots – wir machen uns schuldig.
Unsere Vergebungsbedürftigkeit wird uns damit täglich und deutlich vor Augen geführt. Und je zahlreicher und härter solche Massnahmen werden, umso vergebungsbedürftiger wird auch unser Handeln. Man stelle sich nur den Gewissenskonflikt der Christen im Widerstand des Dritten Reiches vor: Was macht man, wenn ein Mitglied des Widerstands, von dem Tausende Leben abhängen, zum Verräter wird? Tötet und foltert man ihn, um die Tausenden zu retten? Oder gibt man die Tausende preis, um den einen nicht töten und foltern zu müssen?
Es ist in zweierlei Hinsicht eine Gnade, diese Ausweglosigkeit in der Welt bereits heute zu lernen, wo wir solche Entscheidungen «nur» im Indirekten zu treffen haben. Es zwingt uns in den Staub und zur Demut in Bezug auf jeden Leistungs- und Vortrefflichkeitsgedanken im Zusammenhang mit unserer Person. Und es bringt uns zur Einsicht, dass keiner von uns mit sauberen Händen durch die Welt kommt. Egal, wie sehr man es versucht oder wünscht.
Zum anderen macht es uns Gottes Gnade und Herablassung in Jesus Christus täglich grösser: Er, der Seinen Jüngern die Füsse wusch, wäscht auch uns täglich den Schmutz von den Händen und tröstet uns damit über die Unmöglichkeit der Schuldlosigkeit hinweg. Wir dürfen fröhlich sein im Wissen, dass wir, solange wir hier sind, zwar nie frei sein werden von Schuld, aber in Ihm frei von Furcht. Wenn das nicht Freiheit ist, was dann?
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