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von bhw
Schweiz: Grundkompetenzen von Jugendlichen im Sinkflug
Was vielen Ausbildungsbetrieben schon länger aufgefallen ist und internationale und nationale Leistungserhebungen seit 2012 als Trend aufzeigen, belegt nun auch eine gemeinsame Befragung von economiesuisse, dem Schweizerischen Gewerbeverband (sgv) und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband (SAV) unter 2929 Ausbildungsverantwortlichen. Diese stellen erhebliche Defizite der Lehrlinge in den Grundkompetenzen, insbesondere beim Schreiben und Rechnen, fest. Viele Betriebe verzeichnen hierzu eine kontinuierliche Verschlechterung über die letzten fünf bis zehn Jahre, was zu einem erhöhten Betreuungsaufwand und Zusatzkosten führt. Die grosse Mehrheit der Betriebe berichtet von einem regelmässigen Betreuungs- und Unterstützungsaufwand von bis zu drei Stunden pro Woche und lernende Person.
Lehrbetriebe müssen schulische Lücken schliessen
46 Prozent der Betriebe bewerten die Fähigkeiten im Schreiben als eher ungenügend, 13 Prozent als nicht erfüllt. Die mathematischen Fähigkeiten sehen 33 Prozent der befragten Betriebe als ungenügend an. In der Mathematik gebe es Probleme dabei, Resultate in einen Zusammenhang zu setzen und mit Grössen und Einheiten zu rechnen, sagt Nadine Wüthrich, Projektmitarbeiterin Wirtschaftspolitik und Bildung beim Wirtschaftsverband economiesuisse. Rund drei Viertel der Unternehmen unterstützen Lehrlinge bereits heute mit zusätzlichen internen und/oder externen Massnahmen, um bestehende Lücken zu schliessen – eine Aufgabe, die eigentlich die Schule hätte leisten müssen.
Bauunternehmer Josef Wiederkehr, der einen Betrieb mit rund 150 Mitarbeitern führt, berichtete dem St. Galler Tagblatt, dass er sich abends manchmal persönlich Zeit nehme, um mit seinen Lehrlingen zu büffeln. Oftmals bleibe allerdings gar nicht so viel von diesen Nachhilfestunden hängen. Wiederkehr: «Es scheitert nämlich oft beim Textverständnis. Die Lehrlinge haben Mühe, komplexere Texte zu verstehen.» Auch beim Schreiben stellt er erhebliche Lücken fest. «Manchmal frage ich mich, wie das nach neun Schuljahren im Schweizer Schulsystem möglich ist.»
Konsequenzen für die Wirtschaft
All das hat konkrete Konsequenzen für die Wirtschaft: Jedes fünfte Unternehmen gibt in der Umfrage an, aufgrund sinkender Grundkompetenzen und des damit verbundenen höheren Betreuungsaufwands künftig weniger Lehrlinge zu rekrutieren. Rund zwei Fünftel der Unternehmen entstehen durch die Fördermassnahmen zusätzliche direkte Kosten von bis zu 2000 Franken pro Jahr und Lehrling. Teilweise bleiben Lehrstellen unbesetzt, weil sich niemand Geeignetes findet. Josef Wiederkehr zum Beispiel hat gerade nur 12 von 20 Lehrstellen besetzt.
Erfolgsmodell duale Berufsbildung in Gefahr
Die Schweiz verdankt ihren Wohlstand zu einem grossen Teil gut ausgebildeten Fachkräften und einer starken dualen Berufsbildung. Die Ausbildungsbetriebe leisten dazu einen entscheidenden Beitrag, indem sie Jugendlichen Lehrstellen anbieten und sie zu qualifizierten Fachkräften ausbilden. Kommt keine Trendwende, ist diese Entwicklung gefährdet. Je grösser die Kompetenzlücken beim Eintritt in die Lehre sind, desto mehr Zeit und Ressourcen müssen Unternehmen aufwenden, um die Arbeitsmarktfähigkeit sicherzustellen. Aus Sicht der Wirtschaft braucht es konsequente Massnahmen. Lesen, Schreiben und Mathematik müssen in der Volksschule stärker ins Zentrum rücken. Gleichzeitig wird der Ruf nach einer vertieften Ursachenanalyse laut sowie nach einem Bildungsmonitoring, das Entwicklungen transparent macht und gezielte Verbesserungen ermöglicht. Urs Furrer, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands, sagt: «Jetzt müssen auch die Schulen ihren Job machen. Lesen, Schreiben und Rechnen können wir in den Lehrbetrieben nicht nachholen.»
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