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von bhw
Russland verbannt Bibeln und christliche Materialien des US-Hilfswerks «Mission Eurasia»
Moskau hatte das christliche Netzwerk am 13. Mai als «unerwünschte Organisation» eingestuft. Pastor Andre Furmanov aus Wyborg nahe der finnischen Grenze erfuhr über seinen Anwalt, dass bei Besitz der Materialien von «Mission Eurasia» – wozu auch Verteil-Bibeln gehören – strafrechtliche Konsequenzen drohen. Das berichtete «Christianity Today». Er sagte dem christlichen Nachrichtenportal: «Das Beunruhigendste daran ist, dass es anscheinend keine öffentlich erklärte, detaillierte Begründung der russischen Behörden gibt, die spezifisch aufzeigt, was Mission Eurasia angeblich getan hat, um diese Einstufung zu rechtfertigen.»
Viele Gemeinden betroffen
Sergey Rakhuba, Präsident von Mission Eurasia ist ratlos: «Ich weiss nicht, warum Bibeln mit dem Logo von Mission Eurasia als extremistisches Material eingestuft werden.» Die Materialien von Mission Eurasia stehen seit mehr als einem Jahrzehnt in den Regalen von kirchlichen Bibliotheken in Russland. Betroffen sind sehr viele Gemeinden sowie eine grosse Baptisten-Organisation: Zwei Tage nachdem das russische Justizministerium Mission Eurasia auf die schwarze Liste gesetzt hatte, suchten Behörden das Büro von Peter Mitskevich auf. Mitskevich ist der Präsident des Moskauer Theologischen Seminars und Leiter der Russischen Union der Evangelikalen Christen-Baptisten – der grössten evangelikalen Denomination des Landes. Die Beamten fanden von Mission Eurasia herausgegebene Bücher, darunter «The Phenomenon of Leadership and Holistic Mission» (deutsch: «Das Phänomen der Leiterschaft und Ganzheitliche Mission»), sowie Bibeln mit dem Logo der Organisation. Die Polizei verhängte gegen Mitskevich eine Geldstrafe.
Kommunikation aus Sicherheitsgründen gestoppt
Seitdem hat Mission Eurasia weitere Berichte von Kirchen und christlichen Organisationen erhalten, die von russischen Beamten besucht wurden. «Viele der Betroffenen kennen wir seit vielen Jahren», sagt Rakhuba. Aus Sicherheitsgründen hätte er die Kommunikation mit ihnen gestoppt.
Im August verurteilte ein russisches Gericht sogar die Christliche Universität St. Petersburg zu einer Geldstrafe von 60 000 Rubel (rund 700 Dollar). Grund dafür war der Besitz von zwei Büchern von Mission Eurasia, darunter «Das Alphabet der Familienandacht: 55 Eigenschaften Gottes für die Familienandacht».
Neben Mission Eurasia hat Russland im Juli auch die amerikanische evangelikale Kindermission «Child Evangelism Fellowship» auf die Liste der «Unerwünschten Organisationen» gesetzt, die Bibelgeschichten für Kinder anbietet.
«Kreml will Evangelikale mundtot machen»
Eine vage Idee, warum es zum Bann kam, hat Rakhuba doch. Er glaubt, dass womöglich die Berichte von Mission Eurasia über Russlands Verfolgung ukrainischer Christen zu dieser Einstufung beigetragen haben. «Mission Eurasia hat sich sehr klar und offen gegen Russlands Krieg gegen die Ukraine und insbesondere gegen die Verfolgung und die Verletzung der Religionsfreiheit in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine ausgesprochen», sagt Rakhuba. Dazu passt, dass ein russisches Gericht 2025 Pfingstpastor Nikolai Romanyuk zu vier Jahren Straflager wegen einer Antikriegspredigt verurteilte, die dieser im Jahr 2022 gehalten hatte. Fälle wie diese würden laut Rakhuba die Atmosphäre für die gesamte Kirche verändern.
Weiterhin könnte eine Rolle spielen, dass unabhängige christliche Missionsarbeit für ein autoritäres Regime schwierig zu kontrollieren ist. Rakhuba meint: Letztendlich ziele die Strategie des Kremls darauf ab, Evangelikale mundtot zu machen, weil «das Evangelium Menschen hervorbringt, deren höchste Loyalität letztendlich Gott gilt und nicht der Regierung oder einer politischen Ideologie».
Pastor Furmanov fasst hoffnungsvoll zusammen: «Die Regierung mag Bücher aus den Regalen nehmen, aber sie kann nicht löschen, was bereits im menschlichen Herzen verankert ist.»
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