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von Monika Hausammann

Mensch

Politik: Ein Zeitalter der Show

Damit Politik wieder das wird, was sie sein sollte, müssen die Zeiten härter werden. Bis dahin ist damit zu rechnen, dass die Polit-Show, die uns unter dem Jubel der Medien präsentiert wird, täglich absurder wird. Und schädlicher.

Politik ist die Kunst des Möglichen. Ihre Aufgabe ist nicht Werteperfektion und Moralmeisterschaft. Auch nicht maximale Beliebtheit oder Öffentlichkeitswirksamkeit. Weder utopische Forderungen noch falsche Versprechen. Aufgabe der Politik ist es, eine Gemeinde, einen Kanton oder das Land auf der Grundlage des Rechts so zu ordnen und zu gestalten, dass langfristig ein friedliches und freies Zusammenleben und Zusammenarbeiten unterschiedlichster Menschen sichergestellt ist. Gottesfurcht, Schutz des Rechts, Dienst am Volk, Ablehnung von Unterdrückung, Habgier und Hochmut – so sieht die Bibel die Aufgabe von «Politikern». Gemeinsam ist der weltlichen und der biblischen Definition eines: Demut vor der Aufgabe und der Verantwortung, die es bedeutet, ein Gemeinwesen in einer stets unsicheren und unruhigen, von Macht, Moden und Zeitgeist gefährdeten Welt zu erhalten und Schritt für Schritt in die Zukunft zu führen, was Generationen mit ihrem Leben aufgebaut haben. Wer länger als zwei Sekunden darüber nachdenkt, was das bedeutet, dem wird vor allem eines bewusst: die eigene Begrenztheit im Angesicht der schieren Grösse der Aufgabe.

 

Reiner Aktivismus und kein Nutzen für das Gemeinwesen

Als Bundesrat Ignazio Cassis am 19. März 2022 den per Video auf Grossleinwand zugeschalteten ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auf dem Bundesplatz in Bern mit «Lieber Wolodymyr» begrüsste und ihn kurz darauf mit «mein Freund» ansprach, war er weit von dieser Definition von Politik entfernt. Es war reiner Aktivismus. Tugend- und Moralprotzerei, die in einer infantilen Show wegwischte, was über Jahrhunderte hinweg mit Leben gesät, gehegt und geformt worden war. Ausser einem kurzen Applaus aus Brüssel und Washington brachte es dem Gemeinwesen Schweiz nichts. Im Gegenteil: Es stürzte das Land ohne Kompass in den Sturm kriegerischer Macht, Geopolitik und militärischer Konflikte.

Die «Friedenskonferenz» auf dem Bürgenstock machte dann auch dem Letzten klar, dass die Schweiz und ihre Politiker nicht mehr verlässliche Vermittler und kluge Verhandler zum Besten des Landes und zum Besten der Menschen in Kriegsgebieten sind. Ab da konnte jeder wissen, dass man in Bern bereit ist, sich für den Applaus aus Brüssel zum Hilfs- und Küchenpersonal von Events im eigenen Land degradieren lassen, an denen andere das grosse Wort führen.

 

 

Medien und Wähler jubeln

Aber es gefällt. Die Medien jubeln. Und offenbar kommt es auch bei der Wählerschaft der Politiker gut an, wenn sie die trockene Arbeit der Politik durch «wertebasierten» Aktivismus ersetzen. Sonst würden sie nicht bei Anti-Israel-Demos mitlaufen. Sie würden nicht die Straftaten von Klimaaktivisten als «Mut» zelebrieren. Sie würden sich nicht zur Antifa bekennen. Sie würden nicht in die Mikrofone diktieren, Bundesrat Rösti sei verantwortlich für die Hitze in diesem Sommer. Sie würden nicht Hitzeschutz für vulnerable Personengruppen fordern, die sie noch vor wenigen Jahren allein sterben oder im Turnunterricht bei über 30 Grad Masken tragen liessen.

 

Harte Zeiten verlangen nach starken Menschen

Bibel und Geschichte lehren uns: Gute Zeiten bringen schwache Menschen und damit schwache Ideen, Politiker und Politik hervor. PR-Clowns in eigenen Diensten, Aktivisten der Unbescheidenheit, moralbesoffene Herolde der Selbstdarstellung.

Erst wenn die Zeiten hart werden, wenn es knüppeldick kommt, wird man wieder Menschen ans Ruder rufen, die stark sind, die nichts geben auf Beliebtheit, die standhalten und vor allem arbeiten: Im Hintergrund, Tag und Nacht, fernab von Kameras und Mikrofonen. Die verhandeln und ringen für das Land und für die Menschen hier und anderswo. Und die vor allem nicht nur PR-taugliche Haltung haben, sondern einen festen Halt: Gottesfurcht und damit Demut vor einer Aufgabe, die grösser ist als ein Mensch.

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