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von Isabelle Kobe

Natur

Persönlichkeit verändern – geht das?

Spätestens im Alter von dreissig Jahren sei die Persönlichkeit «erstarrt wie Gips», verkündete der amerikanische Psychologe William James vor mehr als hundert Jahren. Neue Forschungen belegen inzwischen: Für eine Veränderung ist es nie zu spät. Aus christlicher Perspektive ist das höchst interessant.

In einem Artikel in der NZZ schildert Claus Peter Simon den Fall Olga Khazan. Sie ist Ende dreissig, introvertiert, meidet soziale Aktivitäten und fürchtet sich, von anderen negativ beurteilt zu werden. Irgendwann beschliesst sie: So kann es nicht weitergehen. Sie unterzieht sich einem wissenschaftlich erprobten Test zu den «Big Five», den fünf Dimensionen der Persönlichkeit. Das Ergebnis zeigt klar: Die Dimension Extraversion – Kontaktfreude, Frohsinn und Herzlichkeit – ist bei ihr nur schwach ausgeprägt.

Khazan wagt einen Selbstversuch. Sie meldet sich zu einem Kurs für Improvisationstheater an, tritt einem Segelklub bei und beginnt einen Kurs für Stressreduktion. Als sie nach einem Jahr erneut den Big-Five-Persönlichkeitstest absolviert, ist der Wert für Extraversion deutlich gestiegen. Über ihr Projekt hat sie ein Buch geschrieben.

Lässt sich eine Persönlichkeit tatsächlich verändern? Fachleute waren lange Zeit skeptisch. Doch inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab: Eine Wesensänderung ist möglich. «Wir sind unserer Persönlichkeit keinesfalls ausgeliefert», sagt etwa der Psychologe Mathias Allemand, und verweist auf seine Untersuchung an der Universität Zürich aus dem Jahr 2021. Diese mithilfe der Smartphone-App Peach (Personality-Coach) durchgeführte Studie gilt heute als wegweisend. Allemand: «Das menschliche Gehirn ist veränderbar. Dass ausgerechnet die Persönlichkeit unveränderlich sein soll, ist daher nicht logisch.» «Es bedürfe allerdings einer erheblichen Motivation, sich ändern zu wollen. Denn 40 bis 50 Prozent unserer Persönlichkeit sind, so die Forschung genetisch vorgegeben», schreibt Claus Peter Simon in seinem Artikel weiter. Soziale Einflüsse wie das persönliche Umfeld, die Kultur, in der man aufwächst, und die Erziehung würden den übrigen Anteil beeinflussen.

«Wer am Ball bleibt und sein Verhalten gezielt verändert, der verändert auch seine Persönlichkeit», zitiert Claus Peter Simon den amerikanischen Persönlichkeitspsychologen Nathan Hudson, relativiert dann aber: «Gewiss, wir können unsere Persönlichkeit nicht nach Belieben gestalten, wir sind nicht Wachs in unseren eigenen Händen.»

Damit hat er Recht. Motivation, Disziplin und Durchhaltevermögen, auch Selbsthilfeprodukte wie Bücher, Apps oder Workshops, können durchaus zu einer positiven Veränderung der Persönlichkeit beitragen. Die Bibel sagt jedoch klar: Nachhaltige, tiefgreifende Veränderung allein durch menschliche Bemühungen ist unmöglich. Sie muss im Herzen beginnen. Christen wissen um die Kraft und Hilfe des Heiligen Geistes, der in ihnen wohnt. Nur im täglichen Umgang mit Jesus und in der Abhängigkeit von Ihm geschieht letztlich Veränderung. Die Bibel nennt das Heiligung. Sie ist ein lebenslanger Prozess – und dient nicht der Selbstoptimierung, sondern Ihm zur Ehre.

 

Hinweis: In der factum-Ausgabe 4/2026 (Jul/Aug) hat Thomas Lachenmaier einen Artikel (Sich für das Gute öffnen) zu diesem Thema verfasst. Der aktuelle Stand der Forschung und ein Blick in die Bibel bestätigen: Der Mensch «wohnt» im Körper, aber ist keine Funktion davon. Er kann Kraft, Hoffnung und Wegweisung finden, indem er sich zum Herr seines Denkens macht. Bestelle dir hier ein kostenloses Probeheft dieser Ausgabe.

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