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von factum-Redaktion

Glaube

Nigeria: Musiker weiter in Haft. Es droht die Todesstrafe wegen «Blasphemie»

Seit sechs Jahren sitzt der nigerianische Sufi-Musiker Yahaya Sharif-Aminu wegen Blasphemie-Vorwürfen im Gefängnis. Der Oberste Gerichtshof hat eine für Ende Juni angesetzte Anhörung kurzfristig vertagt. Die grösste christliche Rechtsorganisation ADF International fordert die sofortige Neuansetzung der Anhörung und die Abschaffung der extremen Blasphemiegesetze im Norden des Landes.

«Die Anhörung sollte das Datum für die mündlichen Verhandlungen festlegen, in denen die Verfassungsmässigkeit der Todesstrafenregelung geprüft wird», schreibt ADF International in einer Medienmitteilung. Doch obwohl alle Schriftsätze vorlagen und Verfahren mit drohender Hinrichtung Vorrang haben, strich das Gericht den Termin wenige Tage zuvor. «Jede Verzögerung in Sharif-Aminus Fall bedeutet einen weiteren Tag, den er hinter Gittern verbringen muss – nur weil er seinen Glauben friedlich in Liedtexten geäussert hat», sagt Sean Nelson, Leitender Rechtsanwalt bei ADF International im Team für weltweite Religionsfreiheit. «Niemand sollte wegen seines Glaubens in einer Zelle schmachten oder mit dem Tod rechnen müssen.»

Sharif-Aminu wurde 2020 festgenommen, nachdem er Liedtexte über WhatsApp geteilt hatte. Sie wurden als «blasphemisch» eingestuft. Ein Mob brannte das Haus seiner Familie nieder, ein Scharia-Gericht verurteilte ihn ohne Rechtsbeistand zum Tod. 2021 hob der Oberste Gerichtshof des nigerianischen Bundesstaates Kano das Urteil wegen gravierender Verfahrensfehler auf, ordnete jedoch eine Neuverhandlung unter demselben Gesetz an. Seit der Berufung 2022 befindet sich Sharif-Aminu in Haft. Nigeria gehört zu den sieben Ländern weltweit, die Blasphemie mit dem Tod bestraft. Yahaya Sharif-Aminu ist Anhänger des Sufismus, einer mystischen Strömung innerhalb des Islam.

Auch Christen sind in Nigeria seit Jahren oftmals tödlicher religiöser Gewalt ausgesetzt. Die Beobachtungsstelle für Religionsfreiheit in Afrika (ORFA) dokumentierte in den sechs Jahren von Oktober 2019 bis September 2025 42 033 ermordete Zivilisten, davon waren 22 835 Christen. 10 519 Todesopfer waren Muslime und 184 waren Angehörige traditioneller afrikanischer Religionen. Bei 8 495 Toten konnte die Religionszugehörigkeit nicht festgestellt werden. Die meisten Tötungen und Entführungen ereigneten sich im Nordwesten und Nordosten des Landes. Betroffen sind oft ganze Dorfgemeinschaften.

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