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von Isabelle Kobe
Neuer Wirkstoff weckt Hoffnungen
Die entstandene chemische Verbindung «Compound 10» ist das Resultat der fast 20-jährigen Forschung von Dr. Ursula Quitterer, Professorin für Molekulare Pharmakologie an der ETH Zürich und ihrem Team.
Damals erhielt Quitterer von einem Arzt und Kollegen am Ain-Shams-Universitätsspital in Kairo Gewebeproben, die er Patienten bei Tumoroperationen entnommen hatte. Es handelte sich um Hirngewebe sowohl von Personen mit Demenz als auch solchen ohne Demenz. Quitterer begann mit diesen Proben zu arbeiten. Zentraler Gegenstand ihrer Forschung war damals wie heute das körpereigene Enzym GRK2, welches bei Demenzerkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Von diesem Enzym kommen in Zellen zwei Formen vor: eine normal funktionale und eine, die vom zellulären Stoffwechsel inaktiviert worden ist. Quitterer und ihr Team stiessen im Hirngewebe von Demenzerkrankten häufiger auf die inaktivierte Form. Dasselbe konnten sie bei Mäusen zeigen.
Bei Demenz bildet diese inaktive Form Verklumpungen in den Hirnzellen, was in ihnen Stress auslöst. Ausserdem ergaben die Versuche an Mäusen, dass das inaktive GRK2 die Produktion von Beta-Amyloid, dem Hauptauslöser von Alzheimer, fördert. So entsteht ein Teufelskreis: Beta-Amyloid setzt die Nervenzellen unter Stress, das wiederum führt zu mehr inaktivem GRK2.
Um diesen Kreis zu durchbrechen, entwickelten Quitterer und ihre Kollegen mehrere chemische Verbindungen. «Compound 10» erwies sich dabei als besonders wirksam: Die Substanz verhindert Verklumpungen, wodurch sich in den Zellen weniger Beta-Amyloid ablagert; die Nervenzellen behalten ihre Funktion und sterben weniger schnell ab. Ausserdem zeigten sich bei den Mäusen Anti-Aging-Effekte: Ihre Herzfunktion verbesserte sich und sie bekamen im Alter weniger graue Haare.
Nachdem «Compound 10» zum Patent angemeldet worden ist, suchen Quitterer und die ETH Zürich nun nach einer Firma, die interessiert ist, die nächsten Schritte auf dem Weg zu einem Medikament zu unternehmen. «‹Compound 10› könnte dereinst in Kombination mit anderen Medikamenten die Situation der Betroffenen verbessern», hofft Quitterer.
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