© Christian Bedeschinski / An sechs ländlichen Bahnhöfen im Westhavelland untersuchten Forschende die Anziehungskraft verschiedener Leuchten auf fliegende Insekten.

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von Isabelle Kobe

Natur

Neue LED-Leuchte: weniger Lichtstress für Insekten

Künstliche Beleuchtung bringt den natürlichen Tages-Nacht-Rhythmus vieler Tiere durcheinander. Nun konnten Forscher des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) nachweisen, dass amberfarbene LED-Leuchten die Anziehung von fliegenden Insekten drastisch reduzieren.

Das Phänomen kennt wohl jeder: Insekten werden von einer künstlichen Lichtquelle wie magisch angezogen. Sie umkreisen diese stundenlang, verlieren die Orientierung und werden so zur leichten Beute von Fressfeinden, oder sterben vor Erschöpfung.

 

Insektenfreundliche Beleuchtung

Auf der Suche nach Möglichkeiten, die Beleuchtung insektenfreundlicher zu gestalten, startete die Deutsche Bahn das Forschungsprojekt BALIN. An sechs ländlichen Bahnhöfen im Natur- und Sternenpark Westhavelland (Brandenburg) untersuchten die Forscher die Anziehungskraft verschiedener Leuchten auf fliegende Insekten. Das Testergebnis ist vielversprechend: Amberfarbene 1800 K LED-Leuchten ziehen rund 40 bis 50 Prozent weniger Individuen und bis zu 75 Prozent weniger Biomasse an als herkömmliche Beleuchtung, wie beispielsweise kaltweisse 4000 K Leds oder die alten Natriumhochdruckdampflampen (2000 K).

«Wir konnten damit unter realen Bedingungen an Bahnhöfen zeigen, dass die Wahl der Lichtquelle und insbesondere ihre spektrale Zusammensetzung eine entscheidende Rolle für die Anziehung fliegender Insekten spielen», erklärt Carmen Ludreschl, Forscherin des LIB im BALIN-Projekt.

 

 

Deutsche Bahn hat bereits reagiert

Aufgrund dieser Studienergebnisse hat die Deutsche Bahn bereits reagiert: Alle untersuchten Bahnsteige sowie ein weiterer Bahnhof wurden auf die neuen 1800 K Leds umgerüstet. Diese verbrauchen zwar etwas mehr Strom als 4000 K Leds, generieren aber dafür einen messbaren Mehrwert für die Biodiversität. Ausserdem ergab eine Kundenumfrage, dass das wärmere Licht der neuen Leuchten als angenehmer empfunden wird.

Derzeit bestehen noch einige rechtliche Hürden für deren flächendeckenden Einsatz, was die langfristige Planung und weitere Umrüstungen für die Bahn erschwert. Die Initianten des Projekts hoffen jedoch auf eine Signalwirkung, die weit über den Schienenverkehr hinausgeht. Sie sind überzeugt: Lichtverschmutzung bringt das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht und ist mittlerweile vielerorts zu einem grossen Problem geworden. Denn sterben Insekten aufgrund von künstlichen Lichtquellen, fehlen sie als Nahrung für Vögel und Fledermäuse und fallen auch für die Bestäubung von Pflanzen aus.

Echtes insektenfreundliches künstliches Licht gibt es nicht. Die Studie hat aber gezeigt, dass sich deren Auswirkungen auf Insekten durch geeignete Lichtfarbe und Emissionsspektrum deutlich verringern lassen. Ebenso gelte das für den privaten Bereich, etwa den Garten, so das Forschungsteam. Ihre Empfehlung: Lichtfarbe anpassen, Leuchten abschirmen, dimmen oder am besten – abschalten.

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