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von Isabelle Kobe

Natur

Neue Immuntherapie zeigt Erfolg

Forscher konnten bei zwei Patientinnen mit einer autoimmunen peripheren Nervenerkrankung eine überraschend schnelle und deutliche Besserung erreichen. Sie verwendeten ein Medikament, das sonst bei einer Krebsbehandlung eingesetzt wird.

Kribbeln, Taubheitsgefühle, Zittern und Gleichgewichtsstörungen, sodass das Gehen immer schwerer fällt – über Jahre verschlimmert sich der gesundheitliche Zustand von Betroffenen. Eine Patientin konnte zuletzt nur noch kurze Strecken gehen und das beidseitig gestützt, Treppensteigen war nahezu unmöglich. Bei der Krankheit greift das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Nerven an. Dadurch verschlechtert sich die Reizleitung, langfristig sterben Nervenzellen ab. Auch nachdem die Diagnose endlich feststand, gelang es nicht, die Erkrankung zu stabilisieren.

Dr. Jonathan Wickel und Dr. Mihai Ceanga, Neurologen am Universitätsklinikum Jena, suchten deshalb bei zwei Patientinnen nach einem neuen Behandlungsansatz. Dabei verwendeten sie den Wirkstoff Teclistamab, der zur Behandlung des Multiplen Myeloms eingesetzt wird. Bei dieser Krebserkrankung des Knochenmarks vermehren sich die Plasmazellen unkontrolliert und verhindern die gesunde Blutbildung und den Knochenstoffwechsel. Das Medikament führt zur Zerstörung der entarteten Plasmazellen. Genau diese Eigenschaft wollten die Neurologen nutzen, denn die krankmachenden Antikörper der Nervenerkrankung werden von den Plasmazellen produziert.

Nachdem den Patientinnen innerhalb von sechs Wochen vier Injektionen dieses Medikaments verabreicht worden waren, verbesserte sich ihr Zustand überraschend schnell und deutlich. Innerhalb weniger Wochen konnten sie wieder sicherer und weiter gehen. Und besonders erfreulich: Bei beiden traten seit der Behandlung vor mehr als einem Jahr keine schweren Nebenwirkungen auf.

Prof. Dr. Christian Geis, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Jena: «Die beiden Fälle zeigen, dass moderne Krebs-Immuntherapien möglicherweise auch bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden können. Es ist uns gelungen, gezielt gegen die antikörperproduzierenden Zellen vorzugehen und nicht nur die Folgen der Autoimmunreaktion zu behandeln.» Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Zeitschrift Nature Communications. Weitere Studien sollen nun die Sicherheit und Effektivität dieses Behandlungsansatzes untermauern.

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