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von Isabelle Kobe
Natürlicher Schutz vor Meeresspiegelanstieg
Ein internationales Forschungsteam der Lancaster University in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen hat herausgefunden, dass der Schutz von Seevögeln und die Wiederherstellung der natürlichen Vegetation Riffinseln widerstandsfähiger gegenüber dem Meeresspiegelanstieg machen.
Seevögel spielen eine entscheidende Rolle
Frühere Studien hatten bereits gezeigt, welch entscheidende Rolle Seevögel beim Nährstofftransport vom offenen Ozean zu den Inseln spielen. Marleen Stuhr (Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung ZMT) dazu: «Seevögel transportieren Nährstoffe aus dem Meer an Land, die von dort wieder in die umliegenden Riffe gelangen und deren Produktivität fördern. Unsere Untersuchungen zeigen, wie diese Nährstoffeinträge die Kalkproduktion und das Wachstum der Korallenriffe beeinflussen können. Gleichzeitig entstehen in den Riffen Sedimente, die zum Erhalten der Inseln beitragen.» Und weiter: «Die neue Studie verdeutlicht, wie eng diese Prozesse miteinander verknüpft sind und welche Bedeutung der Schutz und die Wiederherstellung natürlicher Seevogelpopulationen für die Widerstandsfähigkeit tropischer Atolle gegenüber dem Meeresspiegelanstieg haben können.»

Rotfußtölpel (Sula sula rubripes) auf den Chagos-Inseln im zentralen Indischen Ozean, zVg.
Als Folge der Bedrohung invasiver Ratten haben jedoch inzwischen viele tropische Inseln ihre Seevogelpopulationen verloren. Brut- und Rastplätze fehlen. Auch die natürliche Vegetation ist gefährdet. Schätzungen zufolge sind mittlerweile etwa 60 Prozent der dortigen Wälder abgeholzt und haben Kokos-Plantagen Platz gemacht. Im Gegensatz zu den Kokospalmen stabilisieren die dichten Wurzelsysteme heimischer Bäume Böden und Sedimente und schützen sie vor Erosion.
«Entscheidend für das Überleben dieser Inseln»
«Der Ersatz alter Kokospalmen-Plantagen durch natürliche Vegetation und die Wiederherstellung der Seevogelpopulation durch die Ausrottung invasiver Ratten könnten entscheidend für das Überleben dieser kleinen, flachen Inseln sein», meint Professor Nick Graham von der Universität Lancaster. «Atollinseln sind dynamische Systeme, die sich verändern und an ihre Umweltbedingungen anpassen können.»
Das Forschungsteam fand heraus, dass Korallenriffe rund um seevogelreiche Inseln deutlich schneller wachsen als auf Inseln ohne Seevögel. Zudem lagerten Korallen schneller Kalk ein und trugen damit stärker zum Aufbau des harten Riffgerüsts bei. Um die wellenbedingte Erosion der Inselküsten zu verringern, ist Riffwachstum unerlässlich. So waren die Raten des Riffaufbaus in Lagunen und an der offenen See rund um rattenfreie Inseln mit grossen Seevogelpopulationen bis zu 2,5-mal höher als bei Riffen rund um von Ratten befallenen Inseln. Laut der Studie würde ein solches Riffwachstum zugleich helfen, die Wellenenergie und damit die Erosion der Inselküsten zu verringern.
Seevögel fördern Aufbau und Erhalt der Inseln
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Die Nährstoffeinträge der Seevögel fördern die Sedimentproduktion, was zum Aufbau und Erhalt der Inseln beiträgt. Untersuchungen ergaben, dass das Potenzial zur Sedimentproduktion bei Inseln mit Seevögeln aufgrund einer grösseren Biomasse an Papageifischen und anderen sedimentproduzierenden Organismen bis zu 2,8-mal höher war.
Dr. Jennifer Appoo von der Universität der Seychellen und Mitautorin der Studie erklärt abschliessend: «Unsere Ergebnisse liefern neue Belege dafür, dass die Renaturierung von Inseln nicht nur der Artenvielfalt zugutekommt, sondern auch ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Meeresspiegelanstieg stärken kann.» Dies sei insbesondere dort wichtig, wo kostspielige technische Schutzmassnahmen nicht durchführbar seien.
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