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von Monika Hausammann
Lungenpest: Kaum da, schon wieder verschwunden?
Nimmt man die Lautstärke der medialen Berichterstattung zum Massstab, dann hatten wir diesmal Glück: Die Lungenpest dauerte gerade mal zwei Wochen. Warnungen, Unkenrufen, Katastrophenszenarien und Drohungen zum Trotz verschwand das Thema ebenso plötzlich aus den Nachrichten, wie es aufgetaucht war. Dabei sind die interessantesten Fakten erst bekannt geworden, als die Story schon wieder beerdigt worden war.
Was vermeintlich geschah
Wir erinnern uns: Die Mitarbeiterin des russischen Chumin-Instituts in der Region Irkutsk, Darja Schipilowa, starb Anfang Oktober an einer schweren Lungenentzündung, nachdem im Labor der BioSafety-Klasse 3 des Instituts ein Reagenzglas mit Pesterregern zerbrochen war. Es wurden daraufhin rund 200 Personen unter medizinische Beobachtung gestellt. Die Klinik, in der die Frau behandelt worden war und fünf weitere Kliniken wurden geschlossen. Auch die Mitarbeiter des Instituts wurden unter Quarantäne gestellt und schliefen teilweise während Tagen auf dem Boden. Besuche in weiteren Spitälern wurden eingeschränkt und es gab Reisewarnungen für die Region. So berichteten unsere Medien. Vor diesem Hintergrund ist auch der Aufruf des deutschen Aussenministers Wadephul vom 9. Oktober zu völliger Transparenz und die Drohung von Reisebeschränkungen nach Russland schon fast verständlich.
So gut wie nichts belegt
Der Haken an der Sache: Ausser dem Tod der Mitarbeiterin an einer Lungenentzündung unbekannter Ursache sowie der medizinischen Beobachtung von rund 200 Personen bis am 8. Oktober (Kommunikation an die WHO) ist nichts von all dem belegt. Nicht das Reagenzglas, auch nicht die Pest oder der zweite Pestfall. Die erwähnten Krankenhäuser und Unternehmen dementierten ihre angebliche Schliessung beziehungsweise die Beschränkungen und Vorsichtsmassnahmen gleich selber.
80 Prozent von dem, was wir hier zu lesen bekamen, sind Behauptungen. Nicht bewiesene Behauptungen. Sie wurden von einem einzelnen pro-westlichen Journalisten und einem russischen, vom Westen finanzierten Exil-Medium mit Sitz in Litauen und vier bis sieben Mitarbeitern aufgestellt, verbreitet und ungeprüft von den grössten Medienagenturen der Welt übernommen und dem Publikum serviert. Es erinnert einen an das autistische schwedische Mädchen, das den Grossen dieser Welt die Leviten las, ins Gewissen redete und sie zu Billionenprogrammen auf dem Rücken der Steuerzahler zum «Schutz des Klimas» bewegte.
Vorsicht geboten
Heisst das, dass an all diesen Behauptungen nichts dran ist? Man weiss es nicht. Aber es ist immer Vorsicht geboten, wenn eine Geschichte perfekt zum kultivierten Narrativ oder zum Feindbild passt, das man bewirtschaftet wissen möchte. Dort der Russe, der mit gefährlichen Erregern forscht und die Welt über katastrophale Pannen und Unfälle, die die ganze Welt gefährden könnten, im Dunkeln lässt. Hier Herr Wadephul mit seinen westlichen Werten, der Instrumentalisierung sonst für etwas ganz Schlimmes hält, im Instrumentalisierungs-Rausch, wenn es um «die Russen» geht. Und das einen Tag nachdem die WHO die Sache bereits abgeblasen hatte.
Es gilt auch hier: Blind glauben sollten wir nur dem Einen. Alles andere aber prüfen. Und je besser es zu unseren Überzeugungen oder in das politische und gesellschaftliche Klima passt, umso pedantischer.
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