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von Monika Hausammann

Mensch

Livenet Talk: Die Rolle der Medien während Corona

Ein Gespräch zwischen Florian Wüthrich, Geschäftsführer von Livenet.ch und Raphael Berger, Verlagsleiter und Chefredaktor vom Magazin factum beim Schwengeler Verlag, vermittelt einen Eindruck davon, wie der Anfang einer echten Aufarbeitung der Corona-Zeit aussehen könnte.

Der von Ruth Baumann-Hölzle moderierte Talk kann ab sofort auf dem Youtube-Kanal von livenet.ch gesehen und gehört werden. Die Thematik, durch welche die Moderatorin geschickt navigiert, ist hoch interessant und – solange sie weiträumig umgangen wird – hoch aktuell: Die beiden Medienmacher sprechen über die Rolle ihrer Branche während der sogenannten Pandemie und damit natürlich automatisch auch über ihre ganz persönliche Rolle, ihre eigenen Fehler und ihre Lehren daraus. Es ist ein bemerkenswerter Austausch, bei dem drei Punkte ins Auge fallen.

 

Die Ruhe

Da ist Vorarbeit geleistet worden: Sowohl die Gesprächsteilnehmer als auch die Moderatorin sind gut vorbereitet, die Stichworte sitzen, die Notizen sind abrufbar. Und wie überall, wo solide Arbeit die Basis bildet, kommt auch hier von Anfang an eine Ruhe rein, wie sie heute gerade im Gespräch über heikle Themen selten ist. Oft scheint sogar das Gegenteil angestrebt zu werden: Maximale Unruhe und Aufschreckung durch Alarmismus, Anklagen oder anderweitige Triggerbewirtschaftung. Hier das Gegenteil: Eines der heissesten Eisen der Aktualität wird mit einer Ruhe angegangen, die es möglich macht, dass auch die leisesten Töne und Zwischentöne gehört werden können. Und davon gibt es viele.

 

Der Respekt

Florian Wüthrich und Raphael Berger ticken anders. Damals während Corona genauso wie heute noch. Hier der factum-Chefredaktor, der zwar Originalquellen studiert und Behördenverlautbarungen liest, aber ihnen nie blind vertraut, sondern die Informationen abklopft auf ihre Plausibilität, vergleicht, selber rechnet und am Ende oft zu ganz anderen Schlüssen kommt als die offizielle Erzählung. Da Florian Wüthrich, für den – das merkt man auch heute noch – es ein Schock war zu ahnen, dass Staat, Wissenschaft und Medien nicht grundsätzlich und jederzeit zum Besten der Menschen handeln und die Wahrheit sagen. Trotz diesen ganz unterschiedlichen Positionen ist der Austausch, sind Fragen und Antworten von einem grundlegenden Respekt für das Gegenüber und dessen Situation geprägt. Keine Sticheleien, keine Herablassung, keine Rechthaberei, keine Vorwürfe. Stattdessen waches Interesse und Respekt für den anderen, in dessen Schuhe man nie gestanden hat.

 

Die Redlichkeit

Moderatorin Baumann-Hölzle stellt nicht nur nette Fragen. Sie insistiert schon mal, wenn Wüthrich oder Berger aus- oder abweichen. Das zahlt sich aus: Wenn sie über eigene Fehler sprechen, davon, was sie anders machen würden, und welche Lehren sie für die Zukunft zu verinnerlichen hoffen, lernt man als Zuhörer mit und verlässt das Format mit einer Lektion in Redlichkeit, aber auch mit vielem, worüber man nachzudenken haben wird.

Ein bemerkenswertes Gespräch.

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