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von bhw

Mensch

«Links-islamistische Wagenburg» im akademischen Milieu

An deutschen Universitäten herrsche ein Klima der Angst sowie Israelfeindschaft, stellt Islamismus-Forscherin Professor Susanne Schröter immer wieder in Interviews und ihren Büchern fest. Das Problem sieht sie weniger bei den Studenten, sondern bei Professoren und akademischen Netzwerken.

Schröter leitete bis 2025 das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam an der Goethe-Universität Frankfurt und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit politischem Islam, Antisemitismus, Migration sowie Wissenschaftsfreiheit.

In ihrem jüngsten Welt-Interview (hinter der Bezahlschranke) sagte Schröter, die von 2008 bis 2025 die Professur «Ethnologie kolonialer und postkolonialer Ordnungen» an der Goethe-Universität bekleidete, dass bestimmte Themen an Universitäten faktisch nicht mehr frei diskutiert werden können: «Wer über Islamismus, Antisemitismus oder problematische Entwicklungen im postkolonialen Milieu forscht, gerät sehr schnell unter Verdacht, ‹islamfeindlich› oder ‹rechts› zu sein. Viele Kollegen und junge Wissenschaftler sagen mir inzwischen offen, dass sie bestimmte Forschung lieber lassen, weil sie Angst haben, sonst selbst stigmatisiert zu werden.» Sie spricht von einer «links-islamistischen Wagenburg», die keinen Zentimeter ihrer Macht hergeben wolle. Das Problem seien weniger die Studenten, sondern mehr noch die Professoren und akademischen Netzwerke, die postkoloniale Theorien lehren und verbreiten. Im factum-Interview 5/2024 hatte sie erklärt, was das ist: Die Anhänger dieser Theorie teilen die Welt in Täter und Opfer. Seit dem Beginn des europäischen Kolonialismus, sei der weisse Westen Täter, während der Rest der Welt aus Opfergruppen bestehe, die man schützen müsse. Zu den «Täter-Gruppen» gehöre auch Israel: «Die Feindschaft gegenüber Israel ist das verbindende Element. Israel wird in postkolonialen Theorien als letzter westlicher Kolonialstaat dargestellt. Das schafft eine ideologische Brücke zwischen linken Aktivisten, islamistischen Gruppen und teilweise sogar rechtsextremen Milieus. Dieser israelbezogene Antisemitismus ist heute tief in akademische Debatten eingesickert», erklärt sie im aktuellen Welt-Interview.

 

Freie Wissenschaft in Gefahr

Sie selbst erlebe viele Anfeindungen, werde als «Rassistin» diffamiert, obwohl sie ständig im Dialog mit Muslimen steht, auch sehr viele Muslime promoviert hat: «Zum Problem wurde ich erst, als ich nicht nur über den Islam, sondern auch über Islamismus gesprochen habe.» Islamisten hätten sehr früh verstanden, dass sie ihre Positionen auf links drehen können nach der Logik «der Feind meines Feindes ist mein Freund». Schröter: «Sie sprechen dann über Kolonialismus, Diskriminierung oder Antiimperialismus – und finden damit Anschluss an akademische Milieus.» Und hier sei die freie Wissenschaft in Gefahr, denn die Schraube der Akzeptanz werde immer enger. Sobald jemand als «umstritten» gilt, werde er nicht mehr eingeladen, nicht mehr zitiert und seine Bücher werden nicht mehr besprochen.

In ihrem neuen Buch «Rechts, links, islamistisch: Die wahren Feinde der Demokratie» (Herder) zeigt Susanne Schröter die wichtigsten ideologischen Strömungen, die demokratische Werte und offene Gesellschaften bedrohen. Sie schreibt darin, wie linke, rechte und islamistische Akteure trotz unterschiedlicher Weltbilder ähnliche Mechanismen nutzen: moralischer Absolutheitsanspruch, Identitätspolitik, Ausgrenzung Andersdenkender und Angriffe auf Meinungsfreiheit und Rechtsstaat. Sie geht auch darauf ein, wie sich Freiheit und Demokratie in dieser existenziellen Krise bewahren lassen. Denn sie hat auch etwas Hoffnung: ausserhalb der Universitäten sieht Schröter neue Medien und Räume für Debatten entstehen. Das zeige, dass sich Menschen nicht mehr vollständig einschüchtern lassen.

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