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von factum-Redaktion

Natur

Europas Jahrtausendfluten zwischen 1341 und 1343

Die Magdalenenflut von 1342 gilt als eines der schwersten Hochwasser Europas. Eine neue Studie zeigt nun: Sie war kein einzelnes Extremereignis. Innerhalb von nur zwei Jahren wurde Europa von insgesamt 16 grossen Hochwassern getroffen.

Zwischen dem Winter 1341/42 und Ende 1343 suchten insgesamt 16 grosse Hochwasser weite Teile Europas heim. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsteam in einer neuen Studie in der Fachzeitschrift «Nature». Sie entstand unter Leitung von Andrea Kiss und Günter Blöschl (Technische Universität Wien) gemeinsam mit einem Team von mehr als 30 Wissenschaftlern aus ganz Europa.

Vier dieser Hochwasser waren «Jahrtausendfluten». Ihre statistische Wiederkehrperiode liegt laut den Forschern bei 500 bis 1000 Jahren. Neben der Magdalenenflut zählen dazu die sogenannte Lichtmess-, Jakobs- und Bartholomäusflut. Das Jahr 1342 war demnach das hochwasserreichste der vergangenen 700 Jahre. Auch 1343 zählt zu den zehn extremsten Jahren dieses Zeitraums.

 

Mehr als 1000 historische Quellen ausgewertet

Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern mehr als 1000 Einträge aus historischen Quellen aus. Dazu gehörten Chroniken, Rechnungsbücher, Urkunden und Briefe. «Wir können Monat für Monat rekonstruieren, welche Regionen Europas wann betroffen waren. Das zeigt deutlich, dass sich die Hochwasser wie eine Perlenkette durch die Jahre 1341 bis 1343 ziehen – nicht alle gleich verheerend, nicht alle am selben Ort, aber alle klar miteinander verbunden», sagt Andrea Kiss, Erstautorin der Studie.

Besonders schwer traf es Mitteldeutschland und das östliche Mitteleuropa. In Prag zerstörte die Moldau die steinerne Judithbrücke, die Vorgängerin der heutigen Karlsbrücke. Auch Brücken in Dresden, Meissen, Erfurt und Bautzen wurden von den Wassermassen fortgerissen oder beschädigt. Die Überschwemmungen reichten über Böhmen bis nach Ungarn. Ein mittelalterlicher Chronist berichtete allein entlang der Donau von rund 6000 Toten. Europaweit dürften viele Tausend Menschen ums Leben gekommen sein.

Darstellung von extremen Niederschlägen und Hochwassern des 13. Jahrhunderts im «Ehrenspiegel» des Jakob Fugger. Quelle: Quelle: BSB München, CGM 895, Copyright: Public Domain Mark 1.0 Universal

 

Vulkanausbrüche und weniger Meereis als mögliche Ursachen

Als Ursache für die ungewöhnliche Häufung vermuten die Forscher das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Um 1340 ereignete sich eine Reihe grosser Vulkanausbrüche, darunter mindestens fünf in den Tropen sowie ein Ausbruch des isländischen Vulkans Hekla. Gleichzeitig ging das arktische Meereis über mehrere Jahre zurück. Nach Ansicht der Wissenschaftler veränderten diese Vorgänge die Luftströmungen über Europa und begünstigten extreme und langanhaltende Niederschläge.

Dass die zahlreichen Überschwemmungen später weitgehend in Vergessenheit gerieten, erklären die Forscher auch mit der besonderen Stellung der Magdalenenflut. An sie erinnern Hochwassermarken, Gedenktafeln und jährlich wiederholte Bittprozessionen.

 

Das Klima ist im Wandel

Die Studie zeigt: Das Klima ist im Wandel – und das nicht erst ab etwa dem Jahr 1850 und dem Beginn der industriellen Revolutionen, im Zuge derer sich die menschengemachten CO2-Emissionen erhöhten. Und weiter: Extremereignisse werden oft durch natürliche Faktoren (wie Vulkanausbrüche) ausgelöst oder begünstigt. Heisst das im Umkehrschluss, dass man weiter machen sollte wie bisher und sich nicht um Klima respektive Umweltschutz scheren sollte? Das wäre der falsche Schluss. Sich vor Extremereignissen effektiv zu schützen, ist wichtig und richtig. Gerade wohlhabende (westliche) Staaten sind dazu besonders gut in der Lage, wie auch ein Blick in die vergangenen Jahrzehnte zeigt.

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