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von Monika Hausammann
Es sind die Anreize, Dummkopf
Die Nachricht: Seit der Abstimmung über die 13. AHV-Rente, fragen sich liberale und konservative Kreise der Schweiz, warum die Schweizer, die bei ähnlichen «Plünderungs-Initiativen» stets vernünftig abgestimmt und auf kurzfristige Zückerchen verzichtet haben im Wissen, dass, was «der Staat» verspricht, irgendwo anders weggenommen werden muss, diesmal anders entschieden haben. Warum sie ein entschlossenes Ja für etwas in die Urne legten, das auf lange Sicht in Bezug auf die finanzielle Gesundheit der Schweiz und die Belastung kommender Generationen schädlich ist. Zuletzt stimmten Dominik Feusi und Markus Somm anlässlich der Debatte der Räte zur Finanzierung der 13. AHV-Rente in ihrem hervorragenden freiheitlichen Tages-Podcast «Bern einfach» in diesen Chor ein. Somm ist Herausgeber des Nebelspalters, Feusi sein Politikchef und ihr Erstaunen erstaunt.
Der Kommentar: Die Erklärungsversuche waren zahlreich nach der Abstimmung. Es sei ein Sieg «der Armen über die Reichen» (SRF) gewesen, sagten die einen, ein Bruch des Generationenvertrages, die anderen. Weiter wurde der Egoismus der Alten genannt, die Veränderung der Wählerstruktur durch Hunderttausende neu Eingebürgerter, die Auslandschweizer, Protest über das Ausgabenverhalten des Bundes oder schlicht Unvernunft. Tatsache ist aber, dass trotz Nein-Parole von «Mitte», SVP, FDP und GLP auch viele Wähler dieser Parteien dem klassisch linken Anliegen zustimmten. Und obwohl an jedem Erklärungsversuch «etwas dran» ist, dringt meiner Meinung nach keiner zum Kern der Sache vor.
Ich bin überzeugt, dass dem Menschen nicht nur das Wissen um Gott, die Ewigkeit und Gut und Böse ins Herz gelegt ist, sondern auch das Wissen um das, was man als «das Gesetz des Opfers» bezeichnen könnte – ein biblisches Fundamentalprinzip und eine anthropologische Konstante, die ihre Wurzel zwar im persönlichen Gottesbezug hat und die Grundlage des biblischen Heilsgeschehens bildet, aber gleichzeitig auch das ganze menschliche Leben umfasst: Lohn verlangt ein Opfer. Eine Gleichung, die nicht aufgebrochen werden kann. Ein ewiges Gesetz, das im Kleinen ebenso gilt, wie im Grossen. Wer einen Arbeitslohn will, muss zuvor seine Zeit und seine Kraft «opfern». Wer ein Vermögen aufbauen will, muss kurzfristigen Konsum zugunsten von Verzicht und Investition «opfern». Wer kommenden Generationen gleiche oder sogar bessere Verhältnisse ermöglichen will, als man sie selbst hatte (übrigens eine weitere anthropologische Konstante), muss sich anstrengen, verzichten, langfristig denken. Wer abnehmen will, muss massloses Essen «opfern» und die Faulheit, die ihn vom Sport abhält. Wer gute nachbarschaftliche Beziehungen will, muss Zeit «opfern».
Opfer bedeutet also immer Verzicht. Verzicht auf Geld, Zeit, Bequemlichkeit und so weiter. Auf diesem Prinzip beruhten die westlichen Gesellschaften über Generationen hinweg selbstverständlich. Deshalb waren wir «Leistungsgesellschaften». Nicht, weil wir giergetriebene und vom Kapitalismus ausgebeutete Zombies sind, wie uns linke Kreise gerne glauben machen wollen, sondern weil es eine Selbstverständlichkeit war, dass nur persönliche Leistung (Opfer) zu Wohlstand, Zufriedenheit und Segen führt. Politik und Medien haben an diesem Selbst- und Lebensverständnis über Jahrzehnte hinweg gesägt. Und zwar nicht nur verbal, sondern ganz konkret durch ein Staatsverständnis und eine Politik, die aus der einstigen Leistungsgesellschaft zuerst ein Nullsummenspiel und dann ein Verlustgeschäft gemacht haben für alle jene, die noch nach den alten Regeln leben. Es ist aber ein neues Spiel und die alten Regeln taugen nichts mehr. Das glauben immer mehr Menschen und handeln danach.
Denn es stellt sich ihnen die Frage: Warum sollen wir heute Verzicht üben, wenn es dafür keinen Lohn gibt? Wir haben auf Geld verzichtet und Steuern bezahlt für die Sicherung unseres Gemeinwesens auf jeder Ebene und haben keine Sicherheit erhalten. Im Gegenteil: in finanzieller, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht nimmt die Sicherheit Jahr für Jahr ab. Egal ob Armee, Sozialwerke oder Kaufkraft: Wir werden für unseren Verzicht nicht belohnt, sondern bestraft, in dem Dinge finanziert werden (Kriege, Massenmigration, eine aufgeblähte Verwaltung, etc.), die unserem Land nicht nachhaltige Wertschöpfung bringen, sondern Wertschöpfung behindern und verhindern, Kapital vernichten und objektiv schaden.
Wir haben kein Demokratieproblem und wir haben auch kein Vernunftproblem: Wir haben ein Anreizproblem. Es gibt heute keinen Anreiz mehr für die Leute, auf Dinge zu verzichten. Die Politik hat die Beziehung «Opfer-Lohn» aufgebrochen. Die Leute wissen oder ahnen das und rebellieren dagegen, indem sie dasselbe tun: Sie stimmen Konzepten zu, die unserem Land langfristig schaden, wie alle Zahlen ähnlicher Experimente es belegen.
Und einmal mehr wird deutlich: Die Abkehr von Gott und den biblischen Ordnungen braucht keine Strafe und kein Eingreifen Gottes: Die Strafe ist als Konsequenz bereits in unserem Handeln enthalten: die Geschichtsbücher sagen, dass wir einen hohen Preis bezahlen werden. In Sachen Freiheit ebenso wie finanziell.
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