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von Monika Hausammann

Natur

Ernährungsinitiative: Solche Konzepte können gar nicht durchdacht sein

Die Initiative «Für eine sichere Ernährung», über die in der Schweiz am 27. September abgestimmt wird, kann man gut oder schlecht finden. Gut gemeint ist sie auf jeden Fall. Aber wie meistens ist «gut gemeint» im Politischen gleichbedeutend mit «nicht zu Ende gedacht».

Die zentralen Forderungen der sogenannten «Ernährungsinitiative» sind eine Ausrichtung der Landwirtschaft und der Ernährung der Menschen auf pflanzenbasierte Lebensmittel und einen Selbstversorgungsgrad der Schweiz von 70 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

 

Nachhaltigkeit bereits massiv gesteigert

Was dabei bewusst ausgeblendet wird: Die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft ist in den vergangenen Jahren bereits massiv verbessert worden. Die Schweizer Landwirtschaft ist – insbesondere im Vergleich zur EU – in vielen Bereichen massiv höher und strenger reguliert. Ausserdem klafft ein riesiger Widerspruch: Biodiversität und Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent (bei permanent stark wachsender Bevölkerung!) gehen nicht zusammen. Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, dann ist Schluss mit hoch subventionierten Brach- und Biodiversitätsstreifen. Dann muss jede Ecke bewirtschaftet werden – und zwar intensiv. Von der Vergandung der Alpwiesen, der Unmöglichkeit eines hohen Selbstversorgungsgrades bei Einsatz von samenfestem Saatgut, wie gefordert, und der Verteuerung von Milch- und Fleischprodukten durch künstliche Verknappung ganz zu schweigen.

 

Menschen lassen sich nicht gerne obrigkeitlich befehlen

Aber der Kern ist ein anderer: Jener nämlich, dass, wenn das Ziel der Initiative einer vermehrt «pflanzenbasierten Ernährung» der Schweizerinnen und Schweizer erreicht werden soll, die in der Initiative geforderten Massnahmen nur der Anfang sein können. Menschen lassen sich nicht gerne obrigkeitlich befehlen, was sie zu essen haben. Wenn sie sich regionale Milch- und Fleischprodukte nicht mehr leisten können, werden sie ausweichen auf billige Importware oder sie werden im angrenzenden Ausland kaufen, was hier zu teuer ist. Wo bleibt dann das Tierwohl, wo die Nachhaltigkeit, wenn man die Menschen in den Konsum von Produkten hineindrängt, deren Herstellung Lichtjahre von der heimischen Qualität entfernt ist?

Wenn es den Initianten also ernst ist mit ihrem Anliegen, dann wissen sie genau: Der Staat wird erneut in das Leben der Leute eingreifen müssen, um diese Ausweichmöglichkeiten zu verbauen: Er wird den Einkauf im Ausland so hoch besteuern müssen, dass er sich nicht mehr lohnt, und er wird in Bezug auf Importe in das Sortiment der Unternehmen eingreifen müssen.

 

 

Millionen Lösungsansätze nicht vorhersehbar

Und es zeigt sich einmal mehr: Politische Konzepte, die das Verhalten der Menschen und den Markt – also die Millionen von freiwilligen Interaktionen von Menschen – verändern wollen, sind nie durchdacht. Sie können gar nicht gut durchdacht sein: Weil eine kleine Gruppe von Menschen – Beamte, Aktivisten, Experten, Wissenschaftler – nie die Millionen Verhaltensoptionen und Lösungsansätze von Millionen von Menschen voraussehen kann. So entsteht jedes Mal das, was man eine Interventionsspirale nennt. Egal, in welchem Bereich. Die Experten des Staates drehen an einer Schraube, um Ziel X zu erreichen und können nicht abschätzen, wie viele Tausende anderer Schrauben sie damit in Bewegung setzen. Und sie werden den grössenwahnsinnigen Versuch starten müssen, alle diese Schrauben zu regulieren. Die Versuche, in denen die Obrigkeit sich zu regeln anmasste, wer was wann wo herstellen, kaufen und verkaufen darf, sind mit immensem Schaden für Mensch, Tier und Umwelt jedes Mal krachend gescheitert. Wobei «scheitern» Mangel, Zerstörung und Tod bedeuten kann, wie die Geschichte lehrt.

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