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von Matthias Hilbert
Ein Unternehmer und Diener
DEICHMANN – ein Name, der uns automatisch an preiswerte Schuhe denken lässt. Es gibt wohl kaum eine grössere Stadt in Deutschland oder der Schweiz, in der nicht Europas grösste Schuhhandelskette mit mindestens einem Ladenlokal vertreten ist. Der kontinuierliche, atemberaubende Aufschwung dieses Familienunternehmens erfolgt seit etwa der Mitte des letzten Jahrhunderts. Jährlich werden steigende Wachstumszahlen gemeldet. Zuletzt 2025: Über 180 Millionen verkaufte Schuh-Paare in 30 Ländern, 4700 Filialen und 40 Onlineshops, über 50 000 Mitarbeiter. Gesamtumsatz (Brutto): 8,9 Milliarden Euro. Es ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte.
Ein prägendes Vorbild
Innerhalb weniger Jahrzehnte vom einfachen Schuhladen zum Weltkonzern – grossen Anteil daran hat Heinz-Horst Deichmann, der am 30. September 1926 im Essener Stadtteil Borbeck zur Welt kommt. Hier betreibt sein Vater, der Schuhmacher Heinrich Deichmann, eine Schuhwerkstatt mit zwei kleinen Ladenlokalen. Dem Sohn und den vier Töchtern ist der Geruch von Leder und Leim seit jeher etwas Wohlvertrautes. Doch ebenso vertraut ist ihnen das Beten vor den Mahlzeiten, die Bibellese danach und der Besuch der Sonntagsschule am Sonntag. Ihre Eltern gehören einer Brüdergemeinde an und sind entschiedene Christen. Ihre authentisch gelebte Frömmigkeit beeindruckt und beeinflusst Heinz-Horst Deichmann stark. Besonders sein Vater ist ihm zeitlebens ein Vorbild. Später erzählt er einmal, dass er von ihm «den Umgang mit Schuhen genauso gelernt (habe) wie den Umgang mit der Bibel. (…) Ich lernte von ihm auch das Bezeugen des Evangeliums und das Ausüben der Nächstenliebe an Armen, Kranken und an den Juden in den 30er-Jahren.» Und auch das hatte der Vater dem Sohn schon früh aufs Herz gelegt: «Überall, wo du bist, muss ein klein wenig vom Lichte Gottes sichtbar werden.»
In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) wird der 18-jährige Deichmannsohn zum Kriegsdienst eingezogen. Der Primaner erhält mit seiner Truppe den Marschbefehl an die Ostfront. Bald schon werden er und seine Kameraden von den vorrückenden russischen Einheiten eingeschlossen und immer wieder von feindlichen Granaten beschossen. Als Heinz-Horst gerade im Begriff ist, eine Panzerfaust auf den Feind abzuschiessen, wird er von einem Granatensplitter getroffen. Das Geschoss reisst seine rechte Schulter auf und dringt – nur wenige Millimeter an der Halsschlagader vorbei – in den Hals ein, wo es neben dem Kehlkopf stecken bleibt. Der junge Soldat hätte vielleicht noch die Panzerfaust abfeuern können, doch ihm ist, als ob sich eine Hand auf ihn legt und ihn nach unten drücken will. Schlagartig wird ihm bewusst: «Du bist in Gottes Hand. Dir ist dein Leben noch einmal geschenkt worden, und wenn du hier rauskommst, dann muss dein Leben der Hilfe für Menschen gewidmet sein.» Dann habe er angefangen zu beten: «Gott, du hast die Kraft, bring uns hier raus!» Und noch während er verletzt am Boden liegt, drängt sich ihm der Gedanke auf: «Ich könnte Arzt werden, vielleicht Missionsarzt.» Es ist wie ein Berufungserlebnis.
Neugierig? Lesen Sie den gesamten Artikel im factum 05/2026
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