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von Isabelle Kobe
Ein Fenster in die Vergangenheit
«Ich ringe immer noch um die richtigen Worte. Es ist einfach wundersam!», sagt Michael Sorotskin, Archäologe bei der Israelischen Altertumsbehörde. Die Statuen waren im Rahmen archäologischer Untersuchungen freigelegt worden, die dem geplanten Bau einer «Hochgeschwindigkeits-Küstenbahn» zwischen Haifa und Tel Aviv vorausgingen.
«Interessanterweise entdeckte man sie nicht an der Stelle, an der sie einst standen. Auf mysteriöse Weise wurden sie ordentlich liegend, mit dem Gesicht nach unten, in einer Weinsammelgrube einer Weinpresse aus der römisch-byzantinischen Zeit gefunden», so die Ausgrabungsleiter Eliran Oren und Avishag Reiss. Warum die Statuen vergraben wurden, ist bislang nicht bekannt. «Vielleicht, um sie zu bewahren», vermuten die Archäologen.
Laut Dr. Peter Gendelman von der Israelischen Altertumsbehörde «reihen sich diese Statuen in eine Reihe von Porträts historischer Persönlichkeiten ein, die zuvor in Caesarea entdeckt wurden. Eine davon trägt eine griechische Inschrift, in der der Name Lykurgos erhalten ist. Aus der griechischen Geschichte sind zwei bedeutende Persönlichkeiten mit diesem Namen bekannt – Lykurgos von Sparta, dessen Gründer, und Lykurgos von Athen, ein berühmter Staatsmann und Redner des 4. Jh. n. Chr. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Statue um eine dieser beiden historischen Figuren, doch unsere Untersuchungen stehen erst am Anfang.» Gendelman fügt hinzu: «Unweit der Fundstelle wurden zuvor Überreste eines Badehauses freigelegt, und es ist möglich, dass die Statuen eine luxuriöse Villa eines Bewohners von Caesarea schmückten.»
Der israelische Minister für Kulturerbe, Rabbi Amichai Eliyahu, erklärt: «Diese Entdeckung ist genau die Art von Fund, die der Öffentlichkeit die Kraft der Archäologie vor Augen führt – in einem Moment arbeiten wir an einem modernen Infrastrukturprojekt, und im nächsten Moment öffnet sich ein Fenster in das Leben und die Kulturwelt derer, die vor vielen hundert Jahren genau hier gelebt haben.»
Auf der jährlich stattfindenden archäologischen Konferenz am 18. Juni im Eretz Israel Museum in Tel Aviv wurden die Büsten der Öffentlichkeit erstmals präsentiert. Der Generaldirektor Gil Omer dazu: «Es kommt nicht jeden Tag vor, dass 1700 Jahre alte Marmorstatuen in einem so beeindruckenden Erhaltungszustand freigelegt werden.» Den ganzen Sommer über kann man sie im Museum weiter besichtigen.
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