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von Monika Hausammann
Der Wahrheits-Switch
Die Nachricht: Am Sonntag, dem 12. Juli, meldete das amerikanische News-Portal Axios mit Verweis auf die US-Militärführung (CENTCOM), die Strasse von Hormus sei offen und 20+ Schiffe hätten die Passage in den vorangegangenen 24 Stunden erfolgreich durchquert. Gleichzeitig verlautet von den iranischen Revolutionsgarden, die Strasse sei geschlossen, es passierten keine Schiffe und jene, die es versuchen, würden beschossen. Axios ist dasselbe Portal, das in den vergangenen Monaten über 40-mal mit Verweis auf «mit der Situation vertraute Personen» wahlweise eine Waffenruhe, einen Deal, die totale militärische Niederlage des Iran oder dessen Bitte um Verhandlungen vermeldet hat. Die Revolutionsgarden (IRGC) haben ebenso oft dementiert oder eine völlig andere Wirklichkeit präsentiert.
Der Kommentar: Die Nachricht bestätigt zwei Binsenweisheiten: Erstens: Zwei sich widersprechende Aussagen können nicht gleichzeitig wahr sein. Eine von beiden ist eine Lüge. Zweitens: Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst. Ausserdem sollte mittlerweile klar sein, dass heute das Wort «Krieg» durch das Wort «Politik» ersetzt werden kann. Trotzdem handelt und redet eine Mehrheit der Menschen so, als wüssten sie das nicht. Als wären sie nicht vernunftbegabte Wesen, sondern leicht beeinflussbar. Gestützt auf Parolen und reine Behauptungen ist man entweder «für» die eine oder die andere Seite oder Sache und handelt und redet danach. Wer darauf hinweist, dass das Behauptete der Wirklichkeit nicht standhält, unlogisch, irrational oder nicht so sicher ist, wie verkündet wird, ist ein Feind der Freiheit, des Westens, des Fortschritts oder der Menschheit schlechthin.
Warum ist das so? Die Bibel gibt Antwort: Es ist so, weil wir Menschen Wahrheit brauchen. Wahrheit ist für uns ebenso existenziell und notwendig wie Nahrung. Wo keine Wahrheit ist, ist kein Licht, und wo man nichts sieht, hat man keinen Halt. Lebensmut und Vertrauen sind unmöglich. Es herrschen Dunkelheit, Haltlosigkeit, Misstrauen und Furcht. Ein Zustand, in dem kein Mensch auf lange Sicht leben will und kann. Nicht in einer Familie, nicht in einer Gesellschaft. Deshalb klammert man sich, wo die Wahrheit nicht offen zutage liegt, an Behauptungen. Alles um der Furcht und dem Durcheinander des Nicht-Vertrauen-Könnens ein Ende zu machen. In dieser Logik sind Katastrophen-Wahrheiten immer noch besser als Unsicherheiten.
Und hier, an diesem für jeden Menschen existenziellen Punkt, findet nun auf der Ebene des Politischen eine ebenso faszinierende wie zerstörerische Verschiebung statt: Weil die Tatsachen nicht so alternativlos für das politische Anliegen sprechen wie gewünscht, verschiebt die Politik die Wahrheit: Man switcht sozusagen von Tatsachenwahrheiten zu Glaubenswahrheiten. Von jederzeit von allen überprüfbaren Fakten auf die Verkündigung eines höheren Wissens. Und zwar – überprüfen Sie es selbst – im Fall sämtlicher grossen und zukunftsrelevanten Themen.
Damit wird Politik von einer Dienstleisterin zur Sicherung des Gemeinwesens zu einer weltlichen Kirche. Ihre Aktivitäten mausern sich von Sachgeschäften zu Glaubensinhalten. Erkennbar ist dies mittels einer einfachen Faustregel: Wo Menschen, die nicht alles fraglos glauben, in den Genuss politischer, medialer und gesellschaftlicher Scheiterhaufen kommen, dort geht es nicht mehr um Fakten, sondern um Religion.
Deshalb waren Christen zu allen Zeiten von Demagogen und Politikern mit Hang zum Diktat so wenig beliebt: Sie sind nicht auf weltliche Glaubenslieferungen angewiesen und auch nicht auf politisches Furcht-Management. Sie haben jederzeit aus Gnade eine Wahrheit, einen sichtbaren Weg und einen festen Halt in Jesus Christus, unserem Gott und Herrn. Nicht nur, aber auch dazu, um dann, wenn eine weitere Zivilreligion ihr Heilsversprechen nicht halten kann und in sich zusammenfällt, für die Betrogenen da und stark zu sein.
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