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von bhw
Der Teufel im Zentrum von Esslingen
Die Skulptur greift die Esslinger Legende des sogenannten «Zwiebelteufels» auf, bei der eine Marktfrau den Teufel mit einer Zwiebel statt des gewünschten Apfels überlistete. Doch viele Bürger kritisieren, dass nur der Teufel und nicht die eigentliche Heldin (die Marktfrau) dargestellt wird. Zudem werden religiöse Bedenken, Geldverschwendung (200 000 Euro, die man sinnvoller für Soziales hätte verwenden können) und der Vorwurf der Glorifizierung des Bösen geäussert.
Kritiker aus dem christlichen Spektrum äussern tiefes Unbehagen darüber, dass in einem christlich geprägten Land und im Zentrum einer historischen Weihnachtsmarkt-Stadt eine dominante, goldene Teufelsfigur aufgestellt wird, manche Bürger in Petitionskommentaren betonen, sie würden an zentraler Stelle lieber eine Jesus-Statue sehen. In einem YouTube-Video äussert der Frankfurter Pastor Tobias Riemenschneider (Baptistengemeinde), dass nicht die Statue selbst das eigentliche Problem sei, sondern, was sie über die Gesellschaft sage. Er sehe es positiv, dass der Teufel wenigstens als real und als Verlierer, nicht als abstrakt, gezeigt werde. Seine Kritik im Video richtet sich erstens gegen den Liberalismus, eine verwässerte Theologie, die das Böse nicht sieht und sich der Welt anpasst, nicht mehr an das Übernatürliche, an Wunder oder an die reale Existenz des Teufels und Gottes glaubt. Und zweitens gegen den Quietismus (Untätigkeit der Christen): Er wirft vielen Gläubigen und Gemeinden vor, sich in eine Art «Stille-Kirchen-Haltung» zurückgezogen zu haben und nicht gegen das «wahre Böse» aufzustehen. Riemenschneider: «Nicht die Statue tötet unsere ungeborenen Kinder, sondern der Feminismus, nicht sie macht unsere Kinder ungläubig, sondern die gottlosen Lehrpläne an den Schulen, nicht sie bedroht das Christentum, sondern die unheilige Allianz linker und islamistischer Ideologie.» Eine Frau sagt dagegen auf Facebook: «Für mich als gläubigen Christen ist das eine unzumutbare Belastung – vor allem, weil sich in unmittelbarer Nähe gleich zwei Kirchen befinden. Die Rechtfertigung, den Teufel hier als Unterlegenen darstellen zu wollen, ist für mich nicht plausibel. Auf den Betrachter wirkt das Ganze eher wie eine Siegespose.»
Mangelnde Bürgerbeteiligung
Die rund 400 Kilogramm schwere Bronzestatue wurde von der Sektkellerei Kessler zum 200-jährigen Firmenjubiläum gestiftet und vom Gemeinderat ohne vorherige breite Bürgerbeteiligung durchgewinkt. Viele Einwohner fühlten sich vor vollendete Tatsachen gestellt.
Eine auf OpenPetition gestartete Initiative fordert den Abbau der Statue und hat bereits über 4100 Unterschriften gesammelt. Der Künstler verteidigt das Werk als Symbol der Schwäche des Teufels.
Eine ähnliche Statue, nämlich von einem 18 Meter grossen Dämon («Demon with Bowl») in London Greenwich, hatte bereits vor drei Jahren ebenso für Empörung gesorgt, doch sie steht immer noch da. «Eine Verherrlichung des Bösen und eine riesige Werbetafel für den Untergang Londons», kommentierte ein Kritiker. Es bleibt zu hoffen, dass die aktuelle Bürgerinitiative (die es in London nicht gab) Erfolg hat und die Esslinger Statue anders als in London nicht stehenbleibt.
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