© shutterstock.com/vectorfusionart

Uhr
von factum-Redaktion

Natur

Das Gehirn von Blinden ist anders organisiert

Wie entwickelt sich das Gehirn eines Menschen, der noch nie gesehen hat? Ein polnisch-deutsches Forschungsteam untersuchte, wie sich die fehlende visuelle Erfahrung auf die Entwicklung des Gehirns auswirkt.

(fa.) Die Entwicklung des menschlichen Gehirns ist einer der komplexesten biologischen Prozesse. In den ersten Lebensjahren finden im Gehirn enorme Veränderungen statt: Allein im ersten Jahr vergrössert sich die Oberfläche der Grosshirnrinde um etwa drei Viertel, während ihre Dicke um rund ein Drittel zunimmt.  Zu Beginn der Entwicklung bildet das Gehirn weit mehr Verbindungen zwischen Neuronen, als es tatsächlich benötigt. Im Laufe des Lebens werden häufig genutzte Verbindungen gestärkt, während andere in einem als «Pruning» bezeichneten Prozess eliminiert werden.

 

Das Gehirn ist anderes …

Gleichzeitig schreitet ein weiterer Prozess – die Myelinisierung – im gesamten Gehirn voran. Dabei werden die Nervenfasern von einer Fettschicht umhüllt, die wie eine Isolierung um elektrische Leitungen funktioniert und die Signalübertragung beschleunigt. Diese «Isolierung» entwickelt sich je nach den Bedürfnissen der einzelnen Hirnregionen unterschiedlich. Neuronen in Kortexen, die für die Sensorik zuständig sind, sind stark myelinisiert, während Neuronen im Frontallappen, der für höhere kognitive Funktionen zuständig ist, weniger Myelin aufweisen.

Seit vielen Jahren beobachten Wissenschaftler, dass der visuelle Kortex von blind geborenen Menschen dicker erscheint als der von sehenden Menschen. Die vorherrschende Erklärung lautete, dass Blindheit den Pruning-Prozess stört, wodurch überschüssige neuronale Verbindungen im visuellen Kortex zurückbleiben. Um diese Idee direkt zu überprüfen, arbeiteten Forscher aus Polen mit einem Team in Leipzig zusammen, das über modernste Bildgebungstechnologie verfügt, mit der sich Hirngewebe in aussergewöhnlich hoher Detailgenauigkeit charakterisieren lässt.

 

… es fehlen die visuellen Erfahrungen

«Entscheidend ist, dass wir zeigen konnten, dass der visuelle Kortex von Menschen, die von Geburt an blind sind, weniger myelinisiert war. Dies könnte den scheinbaren dickeren visuellen Kortex erklären. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine verringerte Myelinisierung ein zentraler Faktor für die bei Blindheit beobachteten strukturellen Unterschiede im Gehirn ist», meint Nikolaus Weiskopf, Direktor der Abteilung Neurophysik am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

Gleichzeitig beobachteten die Forscher keine vergleichbaren Unterschiede in Hirnarealen, die mit dem Hören oder Tasten in Verbindung stehen. Dies deutet darauf hin, dass die beschriebenen Veränderungen direkt mit dem Fehlen visueller Erfahrungen zusammenhängen. «Der visuelle Kortex bei blinden Menschen ist nicht beeinträchtigt – er ist nur anders organisiert», bemerkt Marcin Szwed von der Jagiellonen-Universität in Krakau.

Zurück

Wir möchten eine klare christliche Stimme in unserer Gesellschaft sein - unabhängig, bibeltreu und aktuell.
Damit das gelingt, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Neue News

© shutterstock.com/Drazbedel
Mensch

Klage abgewiesen

Die Swisscom, zu 51 Prozent im Besitz des Bundes, unterstützte im letzten Herbst die Pro-E-ID-Kampagne mit 30'000 Franken. Das Bundesgericht ist nun aber nicht auf die Abstimmungsbeschwerde eingetreten – aus formellen Gründen.

[mehr] Klage abgewiesen
© shutterstock.com/Yunlin muses
Natur

Selbstlose Hummeln

Hummeln brauchen Blütenpollen – und sie brauchen sie zur richtigen Zeit. Wenn die Pflanzen nicht rechtzeitig blühen, stechen Hummeln kleine Löcher in die Blätter der noch blütenlosen Pflanzen. Damit regen sie diese zu früherer Blütenbildung an.

[mehr] Selbstlose Hummeln
© shutterstock.com/Freedom Studio
Glaube

«Jesus – Das Thema meines Lebens»

Der bekannte Pfarrer Wilhelm Busch machte das Evangelium zum Kern seiner Botschaft. Ein Blick auf sein Leben und Wirken vermittelt auch 60 Jahre nach seinem Tod wertvolle Impulse.

[mehr] «Jesus – Das Thema meines Lebens»

Mehr entdecken

ethos  

Neben factum gibt der Schwengeler Verlag eine weitere Zeitschrift heraus. ethos bringt die Frohe Botschaft mitten ins Leben, informiert über Zeittrends, hält den Wertmassstab der Bibel hoch und macht Mut, den Glauben im Alltag zu leben. Die Zeitschrift für Jung und Alt erscheint 6-mal im Jahr mit 68 Seiten.

ethos open hands 

Das christlich-soziale Hilfswerk ist aus der Arbeit des Schwengeler Verlags entstanden. ethos open hands ist eine Nonprofit-Organisation im Sinn einer biblischen Missionsarbeit nach christlichen Grundsätzen. Wir unterstützen Menschen in Rumänien in ihrer materiellen, physischen und geistlichen Not.