© Bart Zijlstra / Rossameisen nehmen Amputationen prophylaktisch vor. Bei Ihnen gilt: Besser Vorsicht als Nachsicht, wenn es um mögliche Infektionen geht.

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von Isabelle Kobe

Natur

Ameisen: Meister der Amputation

Ameisen dienen als Vorbild für Fleiss und Teamwork. Neue Studien zeigen, dass sie auch in Sachen Krankenpflege über erstaunliche Fähigkeiten verfügen.

Ein Team der Julius-Maximilians-Universität Würzburg untersuchte sechs Kolonien mit je 110 Ameisen der Art Camponotus fellah, die zur Gattung der Rossameisen zählt. Mithilfe eines vollautomatischen Trackingsystems gelang es den Forschern, die Bewegungen und hunderttausende von Interaktionen einer jeden Ameise sowie deren Wundversorgungen über Wochen genauestens nachzuvollziehen.

In einer vorgängigen Studie hatte man bereits beobachtet, wie Rossameisen Wunden versorgen: Sie amputieren die verletzten Beine ihrer Artgenossinnen, indem sie diese abbeissen und mit antimikrobiellen Stoffen behandeln. Das schützt nicht nur die Kolonie vor Infekten, sondern verdoppelt auch die Überlebensrate der verletzten Arbeiterinnen (s.a. «Eine grosse Überraschung», factum 5/2024, S. 29).

Eine neue Studie zeigt nun, welche Ameisen sich vorwiegend um die Wundbehandlung kümmern. Dr. Erik Frank, Seniorautor der Studie: «In den Kolonien gibt es keine spezialisierten ‹Krankenpflegerinnen›. Vielmehr übernehmen diese Aufgabe Arbeiterinnen, die sich im Übergang von der Brutpflege zur Nahrungssuche befinden.» Diese Übergangsphase vom «Innen- in den Aussendienst» dauert in der Regel 20 Tage. Das ist umso erstaunlicher, muss doch im Vergleich dazu eine Pflegekraft in einem Krankenhaus erst eine mehrjährige Ausbildung absolvieren.

Auch in der Bibel wird die Ameise lobend erwähnt, zum Beispiel in Sprüche 6,6-9: «Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise. Sie, die keinen Richter, Vorsteher und Gebieter hat, sie bereitet im Sommer ihr Brot, sammelt in der Ernte ihre Nahrung ein. Bis wann willst du liegen, du Fauler?»

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